Rezension zu Wir beide, irgendwann von Jay Asher & Carolyn Mackler

Ich bin etwas zwiegespalten, was dieses Buch angeht. Einerseits finde ich Idee und die Geschichte, die um diese Idee herum aufgebaut wurde, wirklich toll, andererseits hatte ich zwei große Probleme: Emma und die Übersetzung.

Was Emma angeht: Sie teilt sich mit Josh die Rolle des Erzählers. Immer abwechselnd wird aus der Ich-Perspektive der Beiden die Geschichte geschildert und eigentlich sind die Anteile der Beiden an der Geschichte recht gleichmäßig verteilt. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass Emma viel mehr Raum in der Geschichte einnimmt. Auch wenn sie mir zu Beginn eigentlich auf Anhieb sympathisch war, hat sie sich während der ganzen Facebook-Geschichte immer mehr zu einer recht egozentrischen, unsympathischen und auf sich selbst fixierten Göre gemausert.

Das war zwar einerseits irgendwie wichtig für die Geschichte, weil irgendwer ja diese unglaubliche Facebook-Fixierung entwickeln musste. Irgendwer musste schließlich versuchen ohne Rücksicht auf Verluste seine eigene Zukunft gerade zu rücken, nur leider ging diese Entwicklung hier halt leider arg zu Lasten von Emmas Charakter und wirkte auf mich stellenweise dann doch überzogen.

Ansonsten haben mir die Charaktere allerdings ausgesprochen gut gefallen, sowohl Josh, als auch die Vielzahl an Nebencharakteren. Im Gegensatz zu Emmas Entwicklung sind die Entwicklungen der anderen sehr viel realistischer, da sie weit weniger „krass“ sind.

Das zweite Übel bei „Wir beide, irgendwann“ war die Übersetzung. Viele Passagen, gerade die Dialoge zwischen den Teenagern zu Beginn des Buchs, wirkten furchtbar gestelzt und steif und auch wenn das Buch Mitte der 90er spielt, ich bin mir sehr sicher, dass die Leute auch damals nicht so geredet haben.

Da ich mir nicht sicher war, ob das tatsächlich am Übersetzer lag oder doch an den Autoren selbst, habe ich ein wenig im Original durchgelesen und festgestellt, dass das hier eindeutig der Übersetzung zuzuschreiben ist. Dazu kommt, dass man im Original die Stimmen der beiden Charaktere sehr viel deutlicher unterscheiden konnte.

Denn auch wenn über den jeweiligen Kapiteln drüber stand, aus wessen Sicht sie erzählt wurden, habe ich das relativ schnell ausgeblendet und brauchte dann teilweise tatsächlich mehrere Seiten, um zu bemerken, dass es sich um ein Kapitel aus Joshs Sicht handelte, weil seine Erzählstimme in der Übersetzung leider sehr wenig Persönlichkeit hat, bzw. sich nur durch die weniger ausgeprägte Egozentrik von Emmas unterscheidet.

Dazu kamen ein paar Übersetzungen, die ich einfach haarsträubend fand. Allen voran waren da die „Garderobenschränke“, mit denen anscheinend „lockers“ übersetzt wurde. Für mich ist ein Garderobenschrank allerdings ein hölzernes etwas, das im Flur steht und in dem man seine Mäntel und Jacken ggf. auch Schuhe unterbringt und keiner der Metalschränke, die die Flure amerikanischer Highschools säumen. Die Dinger heißen für mich, egal ob sie in amerikanischen oder deutschen Schulen stehen, Spinde.

Nennt mich kleinlich, aber genau wie Emmas alles andere als liebenswerter Charakter hat mich diese Übersetzung beim Lesen einfach total gestört. Zwar habe ich das Buch relativ schnell durchgelesen, nur wenn ich ständig über gezwungen wirkende und holprige Übersetzungen stolpere, dann wird es nun einmal schwer, wirklich in das Buch rein zu kommen.

Da es sich bei meiner Ausgabe allerdings noch um die unkorrigierte Fassung handelt, habe ich noch Hoffnung für die fertige Ausgabe. Denn sollte die Übersetzung überarbeitet werden, dann wird das Buch dadurch sicherlich sehr viel angenehmer zu lesen sein.

Insgesamt besticht „Wir beide, irgendwann“ einfach schon durch die faszinierende Thematik. Ob und in wie weit man sich dann mit der Umsetzung und der Sprache des Buchs anfreunden kann, wird sowieso jeder für sich entscheiden müssen. Wen die Thematik reizt, der sollte dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben, denn die hat es alle mal verdient, auch wenn es durchaus einige Schwächen aufweist.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

Alle Beiträge von Rike »

2 Kommentare zu “Rezension zu Wir beide, irgendwann von Jay Asher & Carolyn Mackler”

  1. Da gibt es nichts auszusetzen an dieser Rezi – alles auf einem Blick – selbst mit Trailer zum Buch. Und die Verlinkung der Rezi mit dem Buchcover hat funktioniert – bei PURPURMOND war dies leider nicht der Fall. – Dort musste ich über die Autorin zur Rezi. In diesem Zusammenhang wäre eine Suche nach „Buchtiteln“ vielleicht noch sinnvoll, weil diese vielleicht auf den Covern selbst schlecht lesbar sind…
    Von mir gibt es für diese Rezi 5 Sterne *grins*
    LG,
    Heidi

    1. Ah, da hast du dir mit Purpurmond genau die eine Rezension rausgesucht, wo der Link fehlerhaft war ^^ Volltreffer! Der Fehler ist jetzt behoben und was die Suche nach Buchtiteln angeht, es gibt eine Sortierung nach Autoren, die nach Titeln könnte ich aber natürlich auch noch einfügen… Sobald ich mal wieder etwas Zeit dafür habe, erstmal muss ich die anderen Übersichten auf den neusten Stand bringen 😉
      Aber vielen Dank für deine tollen Kommentare!

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst die folgenden HTML Codes in deinem Kommentar verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

%d Bloggern gefällt das: