Rezension zu Im Mittelalter: Handbuch für Zeitreisende von Ian Mortimer

Eins sollte man beim Lesen dieses Buchs auf jeden Fall im Hinterkopf behalten: Auch wenn es ein Sachbuch ist, ist es doch eine Erzählung und keine wissenschaftliche Fachliteratur. Ja, Ian Mortimer ist Historkiker und ja, er bezieht sich in diesem Werk auch immer wieder auf durchaus wissenschaftlich anerkannte Quellen, aber man sollte nichtsdestotrotz das Gelesene nicht einfach für bare Münze nehmen.

Nicht, dass ich „Im Mittelalter: Handbuch für Zeitreisende“ schlecht fand, ganz im Gegenteil, es hat mir absolut großartig gefallen, aber man muss sich immer wieder bewusst machen, dass vieles in diesem Buch eben doch eher in den Bereich Fiktion fällt.

Okay, Fiktion ist vielleicht nicht ganz korrekt, aber vielen Thesen in diesem Buch fehlt es in der Realität an stützenden Beweisen, als dass sie in einem wissenschaftlichen Zusammenhang wirklich Halt hätten und nicht selten interpretiert der Autor bestimmte Zusammenhänge auch mal etwas freizügiger zu Gunsten seiner Erzählung oder betrachtet einzelne Aspekte nur recht einseitig, obwohl es in der wissenschaftlichen Welt dazu starke Gegenthesen gäbe.

Ich gebe gerne zu, dabei handelt es sich eigentlich immer nur um Kleinigkeiten, teilweise vermutlich auch um mangelhafte Übersetzungen (oder aber vereinfachte Begrifflichkeiten), aber auch wenn ich keine Historiker bin, wenn man seinen Studienschwerpunkt auf Mediävistik legt, reicht das doch schon aus, um einen dafür zu sensibilisieren, wie wenig eigentlich wirklich über das Leben des einfachen Mannes aus dieser Zeit bekannt ist und wie vieles daher nur Spekulation und mit Vorsicht zu genießen ist – so wie eben viele Teile dieses Buchs.

Nichtsdestotrotz macht Ian Mortimers „Im Mittelalter: Handbuch für Zeitreisende“ einfach Spaß. Es ist interessant, es ist informativ (wenn auch eben nicht immer ganz wahrheitsgetreu und teils rein spekulativ) und einfach unterhaltsam. Und es wird ja auch klar als „Erzählung“ bezeichnet – zumindest vom deutschen Verlag. Für alle Mittelalterfans und Hobbyhistoriker jedenfalls eine spannende Lektüre, die ich durchaus empfehlen kann.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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