Rezension zu Schwindelfrei und schwerelos von Heidi Linde

Dieser Roman von Heidi Linde, „Schwindelfrei und schwerelos“, ist eins dieser Bücher, nach deren Lektüre ich das Buch zuklappe, mit irritiert anstarre und mich frage „Aha, und was war jetzt der Sinn dieser Geschichte? Ist da jetzt eigentlich überhaupt irgendwas passiert?“. Denn irgendwie bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass diese Geschichte keinerlei Sinn und Zweck hat und nach der Lektüre würde ich die Autorin auch ganz bestimmt nicht, wie auf der Rückseite angepriesen, als „Feel-good-Autorin“ bezeichnen.

Das fing ja schon damit an, dass ich Protagonistin Agnes von der ersten Seite an einfach nur lächerlich fand. Die Frau ist selbstsüchtig, weinerlich und hat eine ziemlich ungesunde Tendenz dazu, schwachsinnige Lügen zu erzählen, um Menschen zu manipulieren. Ich bin das Gefühl einfach nicht losgeworden, dass das einzige, was diese Frau wirklich braucht, eine gute Therapie und ein paar Antidepressiva sind. Sympathie war hier jedenfalls definitiv keine vorhanden, nicht einmal ansatzweise.

Dabei geht es der armen Agnes ja wirklich schlecht. Nach sechs (?) Jahren hat der von ihr vergötterte Freund ihr mitgeteilt, dass er eine andere hat – nichts, dass Agnes das nicht eigentlich schon wusste, aber sie verfällt trotzdem in tiefste Depression. Ohne Dach überm Kopf, da sie in seiner Wohnung gelebt hat, und für mehrere Wochen krank geschrieben bringt ihr Vater sie in einer Wohnung in seinem Mietshaus unter, deren Bewohnerin derzeit nicht da ist. Agnes hat natürlich nichts besseres zu tun, als in deren dort noch gelagerten privaten Sachen zu stöbern. Und im Bett zu liegen. Und… ich weiß nicht, eigentlich war es das?

Im Klappentext ist die Rede vom „amerikanischen TV-Coach und pakistanischen Lebensmittelverkäufer“, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht so recht sicher, welche maßgebliche Rolle sie in der Geschichte gespielt haben sollen. Ein wirklicher Einfluss auf Agnes schien für mein Verständnis nicht da zu sein, aber ich hatte auch generell den Eindruck, dass an Agnes so ziemlich alles abprallt. Sollten die Rückblenden auf ihre Beziehung dem Leser verdeutlichen, dass Agnes langsam aber sicher erkennt, was für ein Arsch ihr Ex eigentlich war? Und was hatte es mit den Rückblenden in ihre Kindheit auf sich? Deren Sinn hat sich mir überhaupt nicht erschlossen.

Wie schon gesagt, „Schwindelfrei und schwerelos“ ist eins dieser Bücher, deren Sinn sich mir einfach nicht erschließt und so habe ich mich in der letzten Szene auch ernsthaft gefragt, ob Agnes sich nun tatsächlich irgendwie weiterentwickelt hat, denn von Entwicklung war eigentlich nichts zu erkennen, oder ob sie einfach keine Krankschreibung mehr bekommen hat und deshalb wieder zur Arbeit gegangen ist. Die ganze Geschichte war fürchterlich zerstückelt, weil die teilweise völlig willkürlich wirkenden Rückblenden die Handlung immer wieder unterbrochen haben und mit den Figuren, die bis auf Agnes, die meiner Meinung nach einfach ordentlich einen an der Klatsche hat, eh sehr blass bleiben, konnte ich auch nichts anfangen.

Alles in allem habe ich Heidi Lindes Roman „Schwindelfrei und schwerelos“ zwar in quasi rasendem Tempo durchgelesen, kann aber trotzdem nicht sagen, dass er mir gefallen hat – und „feel-good“-irgendwas war definitiv nicht Bestandteil dieses Leseerlebnisses, wenn überhaupt war die Geschichte eher deprimierend und düster, was durch den emotionslosen und distanziert wirkenden Erzählstil nur noch unterstützt wurde. Schade, aber mein Ding war das hier nicht und guten Gewissens weiterempfehlen kann ich den Roman auch nicht!

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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