Rezension zu Der Sohn des Greifen von George R.R. Martin

Vor Jahren bin ich das erste Mal über diese Serie gestolpert, als mein Bruder von seinem Onkel die uralten deutschen Übersetzungen der ersten Bände bekommen hatte. Damals konnte ich mich allerdings nicht im Geringsten dafür begeistern.

Nun habe ich über die letzten Wochen hinweg tatsächlich alle sieben Bücher dieser Serie im Original gelesen (sieben, da ich die englische Ausgabe habe, in der Band 3 und 5 zweigeteilt sind) und ich bin total begeistert. Zwar haben mich die letzten beiden Bände (Band 4, Band 5.1 und Band 5.2) etwas enttäuscht, allerdings kam das hauptsächlich davon, dass es mir nicht gefallen hat, wie einige Handlungsstränge in Band 4 und die restlichen dann erst in Band 5 beschrieben wurden anstatt wie bisher alle in einem Band.

Jetzt habe ich über Blogg dein Buch Band 5.1 auf Deutsch bekommen. Ich habe mich aus purer Neugierde für das Buch beworben, weil ich wissen wollte, wie die Übersetzung wohl so gelungen ist. Besonders viel gutes hört man ja nicht darüber.

Und ich habe schnell festgestellt, dass ich mit der Übersetzung wirklich rein gar nichts anfangen kann und ich habe das Gefühl, dass sie der Geschichte auch viel von ihrem ‚Flair‘ nimmt.

Abgesehen von einer Reihe von Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern, die einfach deshalb gestört haben, weil man sie so leicht hätte vermeiden können, waren es vor allem die eingedeutschten Beinamen, die mir immer wieder große Probleme bereitet haben.

Wie im Mittelalter üblich haben die meisten Charaktere in Martins Werk bestimmte Beinahmen, die sich von ihrem Charakter oder ihrer Herkunft ableiten lassen. Und oft werden sie eben auch einfach nur bei diesen Beinamen benannt.

Das ist im Englischen kein großes Problem. Denn das „Snow“, mit dem man den sogenannten „Lord Snow“ meint, schreibt man groß, während das normale „snow“, für ‚Schnee‘, kleingeschrieben wird, Verwechselungen sind also eher unwahrscheinlich.

Ist aber in der deutschen Übersetzung vom Schnee im Norden die Rede, fragt man sich als Leser zwangsläufig, worum es denn jetzt hier geht. Ist damit gemeint, dass es im Norden nun einmal kalt und verschneit ist, oder meint man damit besagten Lord Schnee, der halt im Norden unterwegs ist?

Natürlich, bei den bekannten Charakteren wird man sich da relativ schnell dran gewöhnt haben, aber Nebencharaktere und Charaktere, die so selten vorkommen, dass ihr ‚echter‘ Name überhaupt nie erwähnt wird, sorgen in der Übersetzung halt doch für Verwirrung. Und das finde ich sehr schade.

Das zusammen genommen mit der Tatsache, dass ich Band 4 und 5 eh nicht so sehr mochte, wie die restlichen, hat diesen Versuch mich mit der deutschen Übersetzung anzufreunden zu einem ziemlichen Reinfall werden lassen und ich kann nur jedem raten, der des Englischen zumindest halbwegs mächtig ist, die Bücher im Original zu lesen, denn die Übersetzung bringt die Atmosphäre der Bücher leider bei weitem nicht so gut rüber, wie ich es mir erhofft hätte.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

Alle Beiträge von Rike (Filia Libri) »

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst die folgenden HTML Codes in deinem Kommentar verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*