Rezension zu Das Feuerzeichen von Francesca Haig

Francesca Haigs „Das Feuerzeichen“ ist ein Roman, der mich mit seinem wirklich spannenden Ansatz schnell in seinen Bann gezogen hat. Der Schreibstil der Autorin ist großartig und auch die post-apokalyptische Welt, die sie erschaffen hat, war faszinierend, allerdings nur auf den ersten Blick. Danach ging alles relativ schnell den Bach runter und ich habe irgendwie das Interesse an der Geschichte verloren.

Die Handlung ist eingebettet in ein post-apokalyptisches Setting, in dem der Großteil der Menschheit von einer Katastrophe ausgelöscht wurde und der Rest in eine Art Mittelalterwelt zurückgesetzt wurde, in der nun nur noch Zwillinge geboren werden: Einer perfekt, der Alpha, und einer mit einem Makel, der Omega. Und hier fingen meine Probleme an, irgendwie fand ich es einfach zu klischeehaft, dass die meisten Omegas mit offensichtlichen Deformierungen rumrennen während Protagonistin Cass keinerlei physische Beeinträchtigung hat sondern eine psychische und die ist auch noch eine Begabung und keine Beeinträchtigung: Sie hat das zweite Gesicht – ist also klar, dass sie dazu auserwählt ist, die Welt zu retten.

Auch mein zweites Problem hat direkt mit den Zwillingen zu tun, denn die können ohne ihr Gegenstück nicht überleben. Der eine spürt den Schmerz des anderen und stirbt einer, stirbt auch der andere. Was würdet ihr tun, wenn euer Leben davon abhinge, dass eine andere Person überlebt? Eigentlich logisch, oder? Ihr würdet vermutlich alles dransetzen, dass diese Person am Leben bleibt, völlig egal wie sehr ihr diese Person auch hasst, damit auch ihr ein schönes, langes Leben führen könnt. Simpler Selbsterhaltungstrieb.

Und entweder habe ich hier irgendwas an der Geschichte wirklich falsch verstanden oder sie baut auf einer einzigen unlogischen Ausgangssituation auf: Die Alphas leben im Luxus, während die Omegas verbannt werden und in Armut leben, unter katastrophalen Bedingungen, die nur so nach einer hohen Sterberate schreien. Ähm ja… Während ich irgendwo verstehen kann, dass die Alphas dazu erzogen wurden, ihre Omegas zu hassen und umgekehrt, macht es keinen Sinn, dass sie deren und damit auch ihr eigenes vorzeitiges Ableben durch miserable Lebensbedingungen riskieren, vor allem, wo die Story selbst klar stellt, dass sie die Möglichkeit haben, die Omegas anders sicher zu stellen – übrigens auch eine nicht gänzlich logische Episode in der Handlung.

Gänzlich vorbei war es dann mit meiner Begeisterung für die Geschichte, als die ersten Längen in der Handlung auftauchten und so richtig offensichtlich wurde, wie nervtötend die Protagonistin eigentlich ist. Denn sie tut im Endeffekt nicht außer zu jammern, ist gleichzeitig aber die Einzige, die sieht, wie dumm die ganze Situation zwischen Alphas und Omegas eigentlich ist. Das macht sie unglaublich anstrengend, weil sie eigentlich herzlich doof ist, gleichzeitig aber eben immer Recht hat – sie ist halt die Heldin. Schrecklich. Vor allem, weil ihr männliches Gegenstück genau so dämlich ist, er ist nämlich einfach überflüssig.

Alles in allem war Francesca Haigs „Das Feuerzeichen“ also nicht wirklich mein Fall, ich fand, dass die Logik der Geschichte einfach alles andere als solide ist und wenn der Grundgedanke schon so seine Probleme hat, wie kann dann die Geschichte, die darauf aufbaut, besser sein? Schade, aber das war wohl einfach nichts…

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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