Rezension zu Mac vs. PC von Fletcher DeLancey

Also eigentlich hat Fletcher DeLanceys Kurzroman mit „Mac vs. PC“ ja den falschen Titel… Es ist mehr „1.000 Gründe warum Mac überlegen ist“ und liest sich über weite Strecken wirklich wie ein einziges Apple-Infomercial, Product-Placement vom feinsten! In meinen Augen jedenfalls war das nicht nur unnötig sondern auch relativ nervig und hat der Geschichte doch einiges von ihrem Charme genommen.

Wobei, ich denke, diese ‚Schleichwerbung‘ (von schleichen kann eigentlich wirklich keine Rede sein) war gar nicht mein eigentliches Problem, auch dass völlig schamlos mit exakten Produktnamen und -daten um sich geworfen wurde, hätte ich wohl als leidiges Detail verkraften können, wenn da nicht diese Sache mit der Gegenseite gewesen wäre…

Denn während Protagonistin Anna, IT-Fachfrau an der Universität und damit die Fachfrau in diesem Buch definitiv auf Macs schwört, sind die PC-Benutzer alle selten dämliche Exemplare, inklusive der zweiten Hauptfigur, Elizabeth, wodurch einfach ein wahnsinniges Ungleichgewicht zwischen dem quasi heilig gesprochenen Apple-Gerät entsteht und dem durch die dummen Benutzer noch schlechter dastehenden Windows-Rechner.

Zwischendurch dachte ich, die Novelle wäre vielleicht schon älter, geschrieben zu einer Zeit, als Computer noch relativ neu waren und die Benutzer daher eher ungeübt, aber die Geschichte ist offenbar 2014 erstmals erschienen und das passt einfach nicht. Okay, vielleicht bin ich altersmäßig nicht die richtige Zielgruppe? Vielleicht bin ich mit meinen Mitte Zwanzig zu jung bzw. gehöre damit einfach schon zu sehr zu dieser Generation, die mit Computern aufgewachsen ist und denen die Benutzung daher leichter von der Hand geht? Aber ganz ehrlich, die Windows-Nutzer hier wissen nicht einmal, dass man in Word Dinge rückgängig machen kann und auch sonst erscheinen sie so unglaublich unfähig, dass sogar meine Tante im Vergleich dazu wie ein Computer-Genie wirkt.

Es gibt einige dieser völlig unsinnigen Situationen, die so unglaublich gekünstelt wirken und absolut keinen anderen Sinn und Zweck haben, als Macs besser dastehen zu lassen als PCs. Geht man nach dem, was Protagonistin Anna so von sich gibt, sind Apples Geräte nicht nur zu 100% intuitiv zu bedienen, was bei Windows ja völlig unmöglich sei, sie sind auch quasi völlig virensicher, allgemein besser kompatibel mit allem und natürlich auch schneller, leichter und hübscher als jegliche Windows-Geräte, seinen es nun PCs oder Laptops. Eine kurze Nachfrage bei befreundeten Informatikern hat meinen persönlichen Eindruck und Verdacht bestätigt: Es gibt in der Debatte „Mac vs. PC“ bei aktuellem Technikstand eigentlich keinen Pauschalsieger sondern nur individuelle Vorzüge und Vorlieben und vor allem auf beiden Seiten jede Menge unfähige Benutzer 😆

Jedenfalls, langer Rede kurzer Sinn: Ich fand es unglaublich nervig wie durch teilweise einfach hirnrissig unrealistische (Gesprächs-)Situationen Apples Technik dem Leser quasi aufgedrängt wird, weil darunter nicht nur der gesamte Erzählstil und der Storyaufbau leidet, auch die beiden Frauen, um die es in der Geschichte eigentlich geht, werden irgendwie von ihren technischen Geräten in den Schatten gestellt. Denn ja, eigentlich ist Fletcher DeLanceys Kurzroman eine Liebesgeschichte, voll mit großen Gefühlen und ebenso großen Missverständnissen, gesellschaftlichen Hürden und persönlichen Vorurteilen, aber das alles scheint nur Kulisse für diese „Mac vs. PC“-Debatte zu sein, wo ich doch eigentlich gedacht hätte, dass es genau andersherum sein sollte.

Alles in allem jedenfalls konnte mich bei „Mac vs. PC“ von Fletcher DeLancey auch der wirklich gute Schreibstil der Autorin nicht darüber hinwegtrösten, dass die titelgebende Technikdebatte weniger eine Debatte als viel mehr schamlose Apple-Werbung ist, die einen so großen Raum in der Geschichte einnimmt, dass die Figuren und ihre sich entwickelnde Beziehung zur Nebensache werden. Ich persönlich habe gegen Apple genau so viel oder wenig wie gegen Windows – das ist mal so gut wie nichts und mal bodenloser Hass 😉 -, ich hätte mir aber einfach mehr Geschichte und weniger gekünstelte Werbesituationen gewünscht, schade!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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