Rezension zu Aimée & Jaguar: Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943 von Erica Fischer

Dieses Buch ist… schwierig.

Das liegt zum einen erstmal an der Art des Buchs: So handelt es sich hier nicht um Fiktion sondern viel mehr eine Art Dokumentation in Buchform. Frei geschriebene Texte wechseln sich mit Auszügen aus Briefen, Tagebüchern und Dokumenten ab und gerade die (Liebes)Briefe fangen an sich irgendwann zu wiederholen.

Zum anderen liegt das aber auch vor allem an Autorin Erica Fischer. Diese hat sich die Geschichte von Aimee und Jaguar ja von der 80-jährigen Lilly Wust (Aimée) erzählen lassen – allerdings ist man sich, spätestens beim Lesen des Epilogs – nicht mehr so recht sicher, warum sie das eigentlich getan hat. Denn Erica Fischer kann Lilly Wust nicht ausstehen – konnte sie vom ersten Treffen an nicht wirklich leiden.

Sicherlich kann es ermüdend sein, sich mit einer Seniorin über ihre Vergangenheit zu unterhalten, gerade wenn diese sich immer wieder in Details verliert, und natürlich ist es auch Autoren nicht-fiktionaler Texte durchaus erlaubt eine eigene Meinung zu haben. Aber gerade hier fragt man sich doch, warum sich die Autorin überhaupt die Mühe gemacht hat und ihre Antipathie für Aimée liegt die ganze Zeit wie ein Schatten über der Geschichte.

Ich habe kein Problem damit, dass Erica Fischer versucht hat, die Beschönigungen zu durchbrechen, die Lillys Erzählungen der Geschehnisse ab 1933 umgeben, so wie es wohl bei vielen Menschen ihrer Generation ist, die sich selbst einreden unwissender gewesen zu sein, als sie es eigentlich waren. Was mich stört, ist die Selbstgerechtigkeit mit der sie das tut. Ihr Epilog lässt eine gewisse Herablassung erspüren, die den vorangegangenen Darstellungen einen faden Beigeschmack gibt.

Das ändert allerdings nichts an der Eindringlichkeit der Geschichte von Aimée und Jaguar. Denn diese geht, trotz der nicht unbedingt geglückten Erzählweise, wirklich unter die Haut und berührt einen beim Lesen sehr. „Aimée & Jaguar: Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943“ bietet bewegende Einblicke in das Leben zweier außergewöhnlicher Frauen und in ein wichtiges Stück deutsche Geschichte.

Ich fand dieses Buch sehr gut, habe mich aber an der Einstellung der Autorin im Nachhinein doch sehr gestört, sodass mir – oh Graus – die gleichnamige Verfilmung alles in allem tatsächlich fast noch eine Ecke besser gefallen hat.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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