Rezension zu Zarte Landung von Emma Donoghue

Emma Donoghues „Zarte Landung“ ist gleichzeitig faszinierend und anstrengend. So gegensätzlich wie die beiden Protagonistinnen in diesem Roman waren auch meine Empfindungen beim Lesen.

Einerseits war es für mich irgendwie, naja das ist vielleicht etwas krass ausgedrückt, geradezu ermüdend dem Schreib- und Erzählstil der Autorin über längere Zeit zu folgen, mir ist alles irgendwie ein wenig fremd geblieben, es wollte sich einfach kein rechter Lesefluss einstellen.

Andererseits aber hat mich die Geschichte von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. In einer der Rezension zum Buch auf Amazon, die ich vor dem Kauf überflogen habe, stand im Titel etwas in der Art von „wundervoll normal, obwohl eigentlich so gar nichts normal ist“ und ich finde, das fasst die Geschichte von Jude und Síle ganz hervorragend zusammen.

Jude ist Mitte zwanzig und liebt das 600 Seelendorf Ireland, Ontario, irgendwo im Nirgendwo von Kanada, das sie ihre Heimat nennt, über alles. Moderner Technik steht sie skeptisch gegenüber und über die Grenzen ihres Dorfs ist sie noch nie weit hinaus gekommen.

Síle ist Ende dreißig und, auch wenn sie, dem indischen Erbe ihrer Mutter sei Dank, nicht so aussieht, Dublinerin. Als Flugbegleiterin ständig in aller Herren Länder unterwegs, ist sie ohne Gizmo, ihr geliebtes Handy, quasi verloren.

Die beiden so völlig unterschiedlichen Frauen lernen sich kennen, als Jude zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug steigt – und sich kurz darauf neben einem Toten wiederfindet. Als Entschädigung für dieses traumatische erste Flugerlebnis, lädt Síle die jüngere Frau am Zielflughafen auf einen schnellen Kaffee ein und kaum, dass sie sich kennen gelernt haben, verschwinden sie auch schon wieder aus dem Leben der jeweils anderen.

Jude fährt weiter zu ihrer Tante, um dort ihre Mutter abzuholen und zurück nach Ireland, Ontario zu bringen, nur um festzustellen, dass es mit der Gesundheit der 66jährigen nicht zum Besten steht – einen Monat später ist sie tot und Jude am Boden zerstört.

Síle hingegen fliegt weiter nach Dublin, zu Kate, der Frau, mit der sie seit fünf Jahren zusammen ist – aber nicht lebt – und zu ihrer bunt gemischten Freundesclique. Ihr Leben geht weiter seinen gewohnten Gang, Alltag zwischen pulsierendem Großstadtleben und Reisen quer um den Globus.

Doch eins geht beiden Frauen die ganze Zeit nicht aus dem Kopf: Ihr Treffen. Allerdings sind die Voraussetzungen selbst für eine Freundschaft nicht die besten, denn nicht nur 14 Jahre Altersunterschied liegen zwischen den Beiden sondern auch 5000 Kilometer. Und schnell müssen Jude und Síle feststellen: Nur weil sie beide Englisch sprechen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch immer verstehen, was sie einander in unzähligen Briefen, Emails und später auch bei Telefonaten sagen.

Was braucht es, damit eine Beziehung funktionieren kann? Was ist es wert, sein altes Leben, die eigene Heimat, hinter sich zu lassen? Nicht nur die Protagonistinnen, auch der Leser fragt sich immer wieder, ob Jude und Síle als Paar eine Zukunft haben und wünscht sich gleichzeitig nichts mehr, als dass sie, allen Hindernissen zum Trotz, die Chance bekommen zueinander zu finden.

Wie gesagt, ich fand „Zarte Landung“ teils recht anstrengend, es gibt auch die eine oder andere kleine Länge, aber inhaltlich konnte mich Emma Donoghue mit ihrem Roman wirklich überzeugen, ihre Figuren und deren so unterschiedlichen Umfelder erweckt sie ganz gekonnt zum Leben, weshalb mir der Roman, auch wenn ich etwas länger gebraucht habe, um ihn zu lesen, insgesamt sehr gut gefallen hat – oder, um meine arg begrenzten Irisch-Kenntnisse zum Einsatz zu bringen:

Thaitin liom seo leabhar agus a mholadh mé é a thabhairt duit 😉

Wetten, da waren mindestens ein halbes Dutzend Fehler drin? Aber ich hab den Irisch Kurs ja auch abgebrochen, weil ich mit der Unterrichtsart der Dozentin nichts anfangen konnte… Theoretisch sollte es allerdings so viel heißen wie: Ich mochte das Buch und empfehle es euch.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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4 Kommentare zu “Rezension zu Zarte Landung von Emma Donoghue”

  1. Hey,

    ich hab dein Blog über Google gefunden und bin echt begeistert 😀 Ich finde es immer ganz schwierig irgendwo (mal von Amazon abgesehen) Rezensionen und Empfehlungen zu lesbischen Büchern zu finden und finds echt klasse, dass du ne eigene Kategorie dafür hast (auch wenn die ja noch ziemlich leer ist 😆 ).
    Ich werd auf jeden Fall in Zukunft öfter mal vorbei kommen und hoffe, du wirst in Zukunft öfters mal Bücher mit lesbischen Protagonistinnen besprechen! 🙂

    Beannachtaí agus a fheiceann tú go luath!
    (Google sagt, das heißt „Liebe Grüße und bis bald“, aber da sind wahrscheinlich noch mehr Fehler drin als bei dir 😀 )

    1. Dia dhuit a JuLes 😉

      Freut mich, dass dir meine Seite gefällt und du hast „Glück“, in Zukunft wird es tatsächlich mehr Rezensionen zu lesbischen Romanen geben! 😀
      Ich bin gerade dabei meine Lesevorlieben etwas zu überdenken und neue Verlage zu entdecken, sodass ich in Zukunft auch mehr deutschsprachige Romane aus diesem Bereich lesen und damit auch rezensieren werde, ich hoffe, da ist dann auch was für dich dabei 🙂

      Slán!

    2. Yay! 😀

      Ich freu mich schon <3 Werde auf jeden Fall regelmäßig vorbei schauen und habe direkt mal den Newsletter abonniert 😀

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