Rezension zu Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir nicht sicher bin, was genau ich von Emily St. John Mandels Roman „Das Licht der letzten Tage“ erwartet habe, aber angesichts der vielen Lobeshymnen, die man online so zu diesem Buch finden konnte, waren meine Erwartungen zwar unspezifisch aber hoch – und sind leider nicht wirklich in Erfüllung gegangen.

Erzählt wird die Geschichte vom Ende der Welt wie wir sie kennen: In Vor- und Rückblenden und Perspektivenwechseln wird der Leser mit einer Gruppe Menschen konfrontiert, die zu den wenigen gehören, die die Pandemie überlebten, die 99% der Menschheit dahinraffte. Klingt nach einer interessanten Ausgangssituation und kommt auch mit einer angemessen düsteren Stimmung daher.

Aber leider ist das auch schon so ziemlich alles, was positiv an diesem Buch war: Es ist sprachlich nicht schlecht und in der Theorie recht gut und flüssig zu lesen und auch die Atmosphäre stimmt. Darüberhinaus sieht es leider recht mau aus, denn mit Spannung ist es nicht allzu weit her, kaum kommt auch nur ein Hauch davon auf, wechseln Perspektive, Zeit und Kulisse, man wird recht rabiat aus dem Lesefluss gerissen und der Spannungsaufbau ist dahin.

Dazu kommt, dass die Charaktere, die es hier in Hülle und Fülle gibt, nur sehr schemenhaft skizziert sind und sehr oberflächlich bleiben – das scheint hier sogar ganz bewusst so gehalten zu sein, es wirkt fast wie ein Stilelement nur leider keins, das gelungen umgesetzt wurde. Denn so kann man keinerlei Verbindung zu irgendeiner Figur aufbauen und das, obwohl jede einzelne ihre Geschichte hat, die hier erzählt wird und aus denen sich der Roman in seiner Gänze zusammensetzt.

Allerdings fand ich auch die Handlung im groben und ganzen nur begrenzt interessant, auf die so vielversprechende Prämisse folgt kaum logische Weiterentwicklung, die Rahmenbedingungen fand ich zwar interessant, das Handeln der Figuren innerhalb dieser Strukturen jedoch kaum realistisch und die vielen Einzelerzählungen wollen sich nicht so recht zu einer übergeordneten Gesamthandlung zusammenschließen, was gerade anhand des irgendwie unvollständigen Endes deutlich wird.

Alles in allem konnte mich „Das Licht der letzten Tage“ von Emily St. John Mandel leider so gar nicht begeistern, ich kann einfach nicht nachvollziehen, wieso so viele Leser so begeistert waren von diesem Buch, da ich es schlichtweg langweilig fand – sehr schade!

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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