Rezension zu Die Feenjägerin von Elizabeth May

Uff, das war wohl das, was man die sprichwörtliche schwere Geburt nennt, denn irgendwie bin ich mit Elizabeth Mays „Die Feenjägerin“ erst nach mehreren Anläufen warm geworden und auch dann hat es nicht so ganz gefunkt zwischen mir und diesem eigentlich doch verdammt vielversprechenden Roman über böse Feen im viktorianischen Steampunk-Schottland…

Eins meiner Hauptprobleme war, dass die Atmosphäre in meinen Augen einfach fehlte. Die ganze Geschichte wirkte relativ lustlos vor den viktorianisch-schottischen Steampunk-Hintergrund geklatscht, ohne dass auch nur für einen der drei Teile wirklich die passende Stimmung aufgekommen wäre. So wirkt die Steampunk-Kulisse reichlich konstruiert, denn abgesehen von der Vorliebe der Protagonistin Dinge (Waffen) zu erfinden und ein paar technischen Randerscheinungen, ist eigentlich nichts handfestes an der Sache. Am viktorianischen Schottland ist wenigstens etwas mehr dran, aber leider wollte auch da einfach nicht die rechte Stimmung auf kommen, sodass auch dieser Hintergrundaspekt der Geschichte nicht direkt überzeugend wirkte.

Dazu kommt, dass ich „Die Feenjägerin“ von Elizabeth May weitaus weniger düster fand, als ich erwartet hätte. Einmal mehr scheint jegliches Potential der Geschichte sich zu etwas düsterem, beängstigendem und evtl auch blutigem zu entwickeln ungenutzt zu versauern, weil man die Geschichte ja für ein (prä)pubertäres Publikum angemessen schreiben muss und da verkaufen sich offenbar nur weichgespülte Geschichten, denen man den Ernst der Lage einfach nicht abkaufen kann, weil sie in gehaltlosen Platitüden und Klischees ertrinken, die gnadenlose Monster und deren von Rache getriebenen Jäger simulieren sollen.

Das klingt jetzt alles wieder so absolut negativ, dabei war „Die Feenjägerin“ nun doch nicht die riesige Qual, nach der das hier vielleicht aussehen mag. Es ist halt nur einer dieser Romane, bei denen man das Gefühl hat, man habe sie schon mindestens ein Dutzend mal gelesen, weil es die Autorin nicht schafft, ihrer Geschichte so viel Individualität und Leben einzuhauchen, dass sie sich ernsthaft aus der Masse immer gleicher Klischeeerzählubgeb herausheben würde. Schade, denn eigentlich dachte ich, dass Elizabeth May mit ihrem Roman „Die Feenjägerin“ eine wirklich interessante, fesselnde und vor allem düstere Geschichte geschaffen hätte. Stattdessen gibt es Klischees über Klischees vor lieblosen Kulissen ergänzt durch eine gänzlich unnatürlich wirkende Liebesgeschichte inklusive Beziehungsdreieckj. Mein Fall war dieser Roman definitiv nicht, da ich ihn einfach als völlig durchschnittlich empfunden habe, aber ich bin mir sicher, er wird trotzdem viele Leser begeistern können (vielleicht eine Empfehlung, die sich mit diesem Genre noch nicht allzu intensiv auseinandergesetzt haben).

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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