[Reading in English] Rezension zu Doctor Who: 12 Doctors, 12 Stories

Zum fünfzigjährigen Jubiläum der BBC-Kultserie Doctor Who hat der Penguin Verlag – Verleger für alle offiziellen Whovian Drucksachen, teils im BBC Press Imprint, teils, wie in diesem Fall im Puffin Books Imprint – eine Sammlung von Kurzgeschichten herausgebracht: Eine Geschichte pro Doctor, damals noch elf, alle geschrieben von bekannten britischen Fantasy und Science Fiction Autoren. Ursprünglich sind die elf Geschichten als eBooks erschienen, dann wurde die Sammlung allerdings um eine zwölfte Geschichte zum neusten Doctor ergänzt und die Sammlung als schicke Geschenkausgabe im Schuber herausgebracht.

12 Doctors 12 Stories 2Allein optisch ist „Doctor Who: 12 Doctors, 12 Stories“ schon ein absolutes Highlight. Die einzelnen Taschbüchlein sind in Postkartengröße gehaltenund vielleicht einen knappen halben Zentimeter dick, mit Autorenbiographien auf der Rückseite und wirklich stylische Cover. Die werden nämlich geziert von stilisierten Grafiken der charakteristischen Outfits der 12 Doktoren – sehr schick und dank der Postkarten, die ebenfalls Teil dieser Geschenkausgabe sind, kann man sie auch direkt noch mit anderen Whovians teilen oder sie sich dekorativ irgendwo aufhängen 😉 Der Schuber ist schon so ein Hingucker, dass der Inhalt fast zweitrangig wird – aber nur fast.

A Big Hand for the Doctor von Eoin Colfer 🌟

Ich mag Eoin Colfer eigentlich sehr gerne, aber mit dieser 40 Seiten umfassenden Kurzgeschichte bin ich nicht so recht warm geworden. Dabei ist die Idee eigentlich gut: Zeitlich gesehen spielt „A Big Hand for the Doctor“ vor „An Unearthly Child“, der ersten Folge von Doctor Who, was ich eigentlich ganz interessant fand, und bringt auch noch eine ganz neue Art von Bösewicht ins Spiel, ebenfalls eine tolle Sahe, aber abgesehen von dieser Grundidee hat leider nichts an dieser Geschichte für mich funktioniert. Das lag vor allem daran, dass der Doctor nicht wie der erste Doctor wirkte – zu viele Popkulturreferenzen, zu wenig egozentrisches, alterndes Genie. Außerdem ist die titelgebende Sache mit der Hand völlig irrelevant für die Geschichte. Schade!

The Nameless City von Michael Scott 🌟 🌟 🌟 🌟

Michael Scotts Geschichte hat mir definitiv besser gefallen als das erste Stück in der Sammlung. Auch hier gibt es wieder einen neuen Feind für den Doctor, wann genau „The Nameless City“ allerdings zeitlich angesiedelt ist, wird nicht deutlich – ist ja aber auch weitestgehend unwichtig. Dazu hat die Geschichte einige eindeutig Lovecraftian-Schwingungen, die sie nur noch lesenswerter machen. Allerdings ist der zweite Doctor nicht unbedingt mein Liebling, daher konnte mich die Geschichte nicht restlos begeistern – was aber nur mit persönlichen Vorlieben und nicht der Qualität der Kurzgeschichte zusammenhing, denn qualitativ hat Michael Scott hier einen wirklich überzeugenden Beitrag geliefert.

The Spear of Destiny von Marcus Sedgwick 🌟 🌟 🌟

Okay, alle Geschichten in dieser Sammlung sind Kurzgeschichten von ca. 40 Seiten, das heißt, in die Tiefe gehen sie nicht, aber ich finde es schade, wenn sie, statt sich auf einen Handlungsaspekt zu konzentrieren, viele verschiedene Ideen aufgreifen und wieder verwerfen. Allerdings gibt es hier Wikinger, und die waren ziemlich cool.

Roots of Evil von Philip Reeve 🌟 🌟 🌟 🌟

Eine sehr schöne Geschichte, denn mit „Roots of Evil“ holt Philip Reeve definitiv das Meiste aus dem Kurzgeschichtenformat. Seine Figuren und Geschichte sind dem Stil des vierten Doctors treu und die Idee hinter der Geschichte ist wirklich gut – und teilweise wirklich ausgesprochen amüsant.

Tip of the Tongue von Patrick Ness 🌟 🌟

An sich ist die Geschichte von Patrick Ness nicht schlecht und auch durchaus unterhaltsam, aber leider überzeugt „Tip of the Tongue“ in dieser Sammlung nicht, denn – wie schon die Geschichte von Eoin Colfer – hat sie eigentlich nichts mit dem Doctor zu tun, den sie darstellen soll. Und der fünfte Doctor taucht hier noch nicht mal wirklich in einer Hauptrolle auf, ganz so als hätte der Autor nicht wirklich gewusst, was er mit diesem Charakter anfangen sollte. Schade, denn eigentlich ist die Geschichte ziemlich gut.

Something Borrowed von Richelle Mead 🌟 🌟 🌟 🌟

Definitiv eine der besseren Geschichten, denn Richelle Mead hat es geschafft ihrer Kurzgeschichte eine runde Handlung zu verpassen, die das Beste aus dem Format macht. Der Plot ist zwar relativ simpel, macht aber gerade dadurch so viel aus den wenigen Seiten und ist auch inhaltlich nicht uninteressant. Außerdem ist die Erzählperspektive aus Sicht von Companion Peri Brown sehr gut gewählt.

The Ripple Effect von Malorie Blackman 🌟 🌟

Daleks! Es hat erstaunlich lange gedauert, bis die aufgetaucht sind. An sich hat die Geschichte auch wieder eine tolle Grundidee mit alternativer Zeitleiste, allerdings ist die Handlung verdammt offensichtlich und auch die Darstellung des Doctors lässt meiner Meinung nach mal wieder zu wünschen übrig. Schade!

Spore von Alex Scarrow 🌟 🌟 🌟 🌟

Okay, der achte Doctor ist jetzt nicht die präsenteste Figur, mit nur einem Film und keinem Auftritt in der Serie, daher hat Alex Scarrow in „Spore“ einen großen Vorteil und das ist die Tatsache, dass sein Doctor weit weniger strikte Charaktervorgaben hat, als die anderen. Dazu gibt es einen neuen und sehr interessanten Companion – eine tolle Geschichte, wenn auch nicht die beste in dieser Sammlung.

The Beast of Babylon von Charlie Higson 🌟 🌟 🌟

Die Geschichte kriegt allein schon einen Punkt dafür, wie sie in die Serie eingebunden ist. Sie spielt nämlich in dem Augenblick in Folge 1, Staffel 1 der neuen Serie, nachdem Rose das Angebot des neunten Doctors abgelehnt hat, mit ihm zu reisen, und bevor er zurückkommt und ihr sagt, dass die Tardis auch durch die Zeit reisen kann, woraufhin Rose sich ihm ja doch anschließt. Jetzt erfährt der Leser also, was für ein Abenteuer der Doctor in der Zwischenzeit erlebt hat. Und das Abenteuer war gar nicht schlecht, auch wenn es mich nicht restlos überzeugen konnte – Companion Ali und der Twist in ihrer Geschichte waren ehrlich gesagt interessanter als die Handlung selbst.

The Mystery of the Haunted Cottage von Derek Landy 🌟 🌟 🌟 🌟 🌟

Entgegen der im Allgemeinen ja doch sehr großen Begeisterung für Doctor Nr. 10 bin ich nicht sein größter Fan. Allerdings muss ich trotzdem zugeben, dass Derek Landy mit „The Mystery of the Haunted Cottage“ einen wirklich guten Job gemacht hat. Martha wurde hier großartig in Szene gesetzt und die Idee ist natürlich einfach großartig, immerhin geht es um lebendig gewordene Buchfiguren.

Nothing Hour von Neil Gaiman 🌟 🌟 🌟 🌟 🌟

Neil Gaiman ist ein wirklich großartiger Autor und das merkt man auch seiner Kurzgeschichte „Nothing Hour“ über den 11. Doctor und Amelia Pond an. Die neuen Feinde des Doctors haben ein tolles Grundkonzept und der Autor schafft eine grandiose Mischung aus Humor und Horror – definitiv eins der Highlights der Sammlung, lediglich Amy war etwas nervig.

12 Stories 12 DoctorsLights Out von Holly Black 🌟 🌟 🌟 🌟 🌟 🌟

Zugegeben, der 12. Doctor ist mein Liebling, daher gibt es direkt einen Bonuspunkt für die Geschichte. Allerdings hat Holly Black auch sonst einen wirklich guten Job mit „Lights Out“ gemacht. Während Clara zwar erwähnt wird, hat der Doctor hier einen bislang unbekannten Companion und die Art, auf die Black diesen in die Geschichte einbindet, ist sehr geschickt gemacht. Dazu kommen ein schnelles Tempo, großartiger Humor und eine rundherum gut durchdachte Geschichte – mein Favorit!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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