Rezension zu Die Märchen der Brüder Grimm von Noel Daniel (Hrsg.)

Wer meine Rezensionen halbwegs regelmäßig verfolgt, der weiß: Märchen sind für mich die schönsten aller Geschichten. Und dementsprechend habe ich auch eine immer weiter wachsende Sammlung an Märchenbüchern (z.B. diese Ausgabe von Grimms Märchen) und seit neustem auch Märchen-CDs (wie dieses und dieses Hörbuch) in meinem Regal stehen. Und seit meinem Geburtstag kann ich auch dieses Exemplar mein Eigen nennen.

Manche mögen sich fragen, warum ich mir überhaupt die Mühe mache und Rezensionen zu Märchenbüchern schreibe – immerhin sind die Geschichten doch größtenteils eh allgemein bekannt. Und klar, inhaltlich ändert sich an den einzelnen Geschichten von Märchenbuch zu Märchenbuch eigentlich nichts. Aber das komplette Drumherum, das ändert sich sehr wohl. Das fängt natürlich bei so ganz offensichtlichen Dingen wie der Covergestaltung an, geht über die Auswahl der einzelnen Märchen aber hin bis zur Übersetzung oder Überarbeitung – und dabei können sich auch qualitativ gewaltige Unterschiede ergeben.

Dieses Exemplar hier ist definitiv eins, das in die Kategorie „hochwertig“ fällt. Schon von außen sieht es wunderschön aus mit seinem Leineneinband, dem goldenen Titel und den Grafiken auf Vorder- und Rückseite. Innerdrin ist es allerdings noch viel bezaubernder.

Zum einen sind die 27 hier abgedruckten Märchen alle in ihrer Originalfassung, etwas das ich immer großartig finde, weil, so schön Überarbeitungen und Neuübersetzungen doch sein können, die Originale doch meist noch einmal einen ganz eigenen Zauber haben. Der äußert sich bei den Grimmschen Märchen übrigens erst einmal darin, dass die Märchen eben nicht zauberhaft sind. Sie sind düster, brutal und schnörkellos – und die Sprache altmodisch und schwergängig. Für viele mag das abschreckend sein, mir hingegen gefällt es, es ist eben authentisch. Außerdem habe ich ja noch genug andere Märchenbücher, in denen die Texte überarbeitet wurden, wie in dem von Philip Pullman (s. Link oben).

Zum anderen ist aber auch die graphische Gestaltung einfach grandios. Denn für diese Schmuckausgabe hat sich der Taschenverlag die schönsten Märchen-Illustrationen aus der bald 200-jährigen Geschichte der Märchen herausgepickt. So schmücken dieses Buch dutzende Illustrationen, alle in Farbe (soweit denn farbig illustriert wurde) und in den unterschiedlichsten Stilrichtungen – allesamt wunderschön und total faszinierend. Ein Element zieht sich durch das komplette Buch, nämlich die goldenen Doppelseiten, mit denen jedes Märchen eingeleitet wird, auch das Inhaltsverzeichnis ist auf einer solchen Doppelseite abgedruckt, und die darauf abgebildeteten Scherenschnitte.

Am Ende des Buchs findet man übrigens auch noch einige Informationen zu den jeweiligen Künstlern, bekommt so einen Einblick aus welchen Epochen die hier zusammengetragenen Illustrationen stammen. Eine sehr schöne Ergänzung, genau wie die Kommentare zu den Originaltexten, die sich dort auch finden. Einen Eindruck der Bilder bekommt man übrigens auf der Verlagsseite, allerdings nicht wundern, der auf den Bildern abgebildete Text ist zwar Englisch, diese Ausgabe des Buchs ist aber Deutsch.

Alles in allem ist die von Noel Daniel im Taschen Verlag herausgebrachte Ausgabe der Märchen der Brüder Grimm in meinen Augen ein absolutes Highlight und eine dicke, fette Empfehlung für alle Märchenfans! Die nach dem selben Konzept gestaltete Ausgabe der Märchen von Hans Christian Andersen hat es, kurz nachdem ich dieses Buch bekommen habe, übrigens ebenfalls in mein Regal geschafft 😉

Die folgenden 27 Märchen sind in „Die Märchen der Brüder Grimm“ enthalten:
– Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
– Der Wolf und die sieben jungen Geißlein
– Brüderchen und Schwesterchen, Rapunzel, Hänsel und Gretel
– Von dem Fischer und seiner Frau
– Das tapfere Schneiderlein
– Aschenputtel
– Frau Holle
– Rotkäppchen
– Die Bremer Stadtmusikanten
– Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
– Die Wichtelmänner
– Daumerling’s Wanderschaft
– Dornröschen
– Schneewittchen
– Rumpelstilzchen
– Die drei Federn
– Die goldene Gans
– Jorinde und Joringel
– Die Gänsemagd
– Die zertanzten Schuhe
– Die Sterntaler
– Schneeweißchen und Rosenrot
– Der Hase und der Igel
– Der gestiefelte Kater
– Der goldene Schlüssel

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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3 Kommentare zu “Rezension zu Die Märchen der Brüder Grimm von Noel Daniel (Hrsg.)”

  1. Dieses Buch steht noch ganz oben auf meiner Wunschliste. Ich habe bereits das von Hans Christian Andersen und finde die Aufmachung einfach genial 😀

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