Rezension zu Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher von Annette Pehnt, Friedemann Holder und Michael Staiger (Hrsg.)

Was für ein ungewöhnliches, außerordentliches Buch. „Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher“ ist alles, was ich mir von dem Titel erhofft hatte und noch viel informativer, interessanter und skurriler als gedacht. Es bietet einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen: Was passiert eigentlich mit all den Buchideen, die ihren Weg von den Köpfen der Autoren niemals bis in die Regale der Buchhandlungen geschafft haben? Und woran ist dieser Weg gescheitert?

71 zeitgenössische Autoren erzählen hier beispielhaft von Titeln, die es nie bis zur Druckerpresse geschafft haben. Teilweise haben es nur die Titel nicht geschafft, wurden vom Autor oder Lektorat verworfen, sodass das betreffende Buch zwar veröffentlicht wurde aber eben unter einem ganz anderen Titel.

Werke in allen möglichen Entstehungsphasen werden hier vorgestellt. Teilweise ging es nie über die Idee an sich hinaus, teilweise steht das fertige Werk aber eben auch in den Regalen der Buchhandlungen – unter anderem Namen. Es ist wirklich sehr interessant zu lesen wann welche Projekte aus was für Gründen abgebrochen und aufgegeben wurden.

Ein besonderes Highlight sind auch die Umschlagentwürfe, die jeden der 71 Beiträge ergänzen. Wie hätten die ungeschriebenen Bücher wohl aussehen können, wären sie denn geschrieben worden? Dabei sind wirklich interessante Designs entstanden, die so vielzählig sind, wie sie unterschiedlich sind.

Meine absoluten Lieblinge aus dieser „Bibliothek der ungeschriebenen Bücher“? Da wäre einmal Nora Gomringers „Wie ich die Eltern verschlang. Kochen auf Abwegen der Moral“, eine – wie die Autorin es beschreibt – Art historischer Rezeptsammlung zum Thema Menschenfleisch-Zubereitung oder seasonal foods for cannibals. Mein anderer Favorit ist „pochende kolben“ von Ulf Stolterfoht, eine Sammlung pornographischer Lyrik, die – wie der Autor selbst freimütig zugibt – Gott sei Dank nie begonnen wurde.

Alles in allem ist es eine wirklich ganz tolle Idee, die hinter „Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher“ steckt und die auch wirklich sehr gut umgesetzt wurde. Absolut top! 😀

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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