Rezension zu Century Love: Tödliches Fieber von Dee Shulman

Mit diesem Buch konnte ich ja einfach mal so absolut gar nichts anfangen. Ich habe mich wahnsinnig auf „Century Love: Tödliches Fieber“ gefreut, ich meine, hallo, es gibt zeitreisende Römer, das klingt ja doch irgendwie schon klasse. Aber beim Lesen wollte der Funke dann einfach partout nicht überspringen und ich musste mich größtenteils wirklich durch das Buch quälen.

Das lag nicht zuletzt an Eva. Eva ist neben Sethos die Ich-Erzählerin dieses Buchs. Sie lebt im heutigen London und ist einfach perfekt – und so ziemlich zum kotzen. Zum einen konnte ich einfach nicht nachvollziehen, was sie überhaupt so wirklich in der Geschichte zu suchen hat, zum anderen fand ich es absolut uninteressant und ziemlich unsympathisch, dass sie nicht nur ein Genie ist – mit 8 die perfekte Hackerin und auch sonst liegt ihr einfach alles, sei es Kunst, Musik, Literatur, Naturwissenschaften, etc.pp. – sondern sich mit der Pubertät auch noch quasi in den Traum aller Männer und damit das Hassobjekt aller Frauen verwandelt – nicht, dass ihr irgendetwas davon auch nur im geringsten bewusst wäre… Sie ist ja so normal, nur gepeinigt von der völlig unverdienten Aufmerksamkeit ihrer männlichen Mitmenschen und der Tatsache, dass sie ihre Genialität geheim halten muss (wieso eigentlich?). Hallo? Wo bleibt der Identifizierungswert, die Sympathie erschaffenden Macken? Klar, sie hat Probleme mit Familie und Freunden, aber ganz ehrlich? Das wiegt diese völlig unsinnige und unrealistische Perfektion einfach nicht auf. So Leid es mir auch tut, Eva fand ich ätzend.

Und Sethos, der Gladiator, um den es hier eigentlich gehen sollte? Äh ja… Auch mit dem konnte ich nichts anfangen. Warum? Weil er schlicht und ergreifend stinklangweilig ist. Langweilig, langweilig, langweilig. Dabei habe ich mir von ihm richtig viel erhofft und vielleicht war gerade das auch das Problem. Denn als Gladiator und Sklave im antiken Londinium – der Hauptstadt der römischen Kolonie Britannia und unser heutiges London – hätte die Autorin ihren Lesern über diesen Charakter einen hervorragenden Einblick in die Welt der Antike geben können. Hat sie aber nicht. Stattdessen ist Sethos quasi das männliche Pendat zu Eva: Perfektion in Person, sieht man einmal von seinen leider etwas unglücklichen Lebensumständen ab… Allerdings war er mir zugegebenermaßen zu Beginn der Geschichte weniger unsympathisch als Eva. Das hat aber nicht lange gehalten, denn Sethos ist anfällig für etwas, das ich auf den Tod nicht leiden kann: Völlig grundlose, völlig übertriebene Instant-Liebe… Und die begegnet ihm direkt zweimal. Tja, das war dann wohl das…

Meiner Begeisterung wurde also schnell ein Dämpfer verpasst, denn ohne interessante Charaktere, die mich dazu bringen bei ihrer Geschichte mitzufiebern, macht das Lesen natürlich einfach keinen richtigen Spaß mehr. Trotzdem war das Buch anfangs noch durchaus erträglich, es passierten sogar hin und wieder Dinge, die ich ziemlich interessant fand. Genau diese Dinge waren es dann aber auch, die mir – im Bezug auf dieses Buch – den Rest gegeben haben. Denn offenbar legt die Autorin keinen allzu großen Wert darauf das, was geschieht, auch tatsächlich zu erklären. Dadurch fängt die ganze Geschichte, die im Vorhinein zumindest noch schlüssig war, an in relativ zusammenhanglose und unlogische Sequenzen zu zerfallen. Die Handlung wrikt nicht mehr so, als wäre auf Logik basiert sondern einfach nur eine Aneinanderreihung achso glücklicher Zufälle. Von Spannung kann bei soetwas keine Rede mehr sein.

Schade, aber so viel ich mir von Dee Shulmans „Century Love: Tödliches Fieber“ auch erhofft habe, so wenig wurden meine Erwartungen erfüllt. Für mich war dieses Buch ein absoluter Reinfall und ziemliche Zeitverschwendung und das, obwohl das Potential eigentlich wirklich vorhanden ist – wenn die Autorin sich nur mehr für die Hintergründe ihrer Geschichte als für die völlig unsinnige Liebesgeschichte hätte begeistern können.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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