Rezension zu Je süßer das Leben von Darien Gee

Hermann! Nein, im Ernst, in diesem Buch geht es um Hermann. Nur dass Hermann in den USA Amish Friendship Bread (Amisches Freundschaftsbrot) heißt und ein etwas anderes Rezept hat, aber das Prinzip ist ein und das selbe. Gab es bei euch in der Schule auch mal so eine Phase, eine dieser regelrechten Hermann-Epidemien, in der das Zeug die Runde gemacht hat? Immer und immer wieder, bis eure Mütter verzweifelt sind vor lauter ungewolltem Teig und kein Mensch mehr Kuchen sehen konnte?

Für alle, die Hermann und das Prinzip dahinter nicht kennen: Hermann ist ein Teig, ein Sauerteig genau genommen, der nach einem strengen Plan „großgezogen“ wird, immer wieder wird er gefüttert und gerührt und alle zehn Tage in vier Teile geteilt – ein Teil wird gebacken, der Rest wird, ähnlich einem Kettenbrief, zusammen mit der Pflegeanleitung weitergegeben. Anfangs ein riesiger Spaß, wenn man aber irgendwann zum zigten Mal so eine Portion Teig aufgeschwatzt bekommt, wird es irgendwann so nervig, dass man schon beim Anblick des Teigs einfach nur schreiend wegrennen möchte 😀

Jedenfalls, das Freundschaftsbrot, das den Beginn von Julias Geschichte markiert, funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Und die Autorin hat das Potential, von dem ich gar nicht wusste, dass eine aberwitzige Kreation wie Freundschaftsbrot es überhaupt besitzt, wirklich von der ersten bis zur letzten Seite voll und ganz ausgenutzt und daraus eine wunderschöne Wohlfühlgeschichte gesponnen, die einfach herrlich zu lesen ist.

Dabei hätte ich das Buch nach dem Prolog fast schon wieder zurück ins Regal gestellt. Denn das erste, was mir aufgefallen ist, war dass dieser im Präsenz erzählt wurde und das hat mir leider einfach gar nicht zugesagt – ohne dass ich genau sagen könnte, was mich an dieser Erzählweise so dermaßen abgeschreckt hat. Zum Glück habe ich das Buch aber nicht bei Seite gelegt und auch wenn es etwas ungewöhnlich war, eine Geschichte zu lesen, die im Präsens geschrieben wurde, im Endeffekt tuts der Geschichte keinen Abbruch und mit etwas Eingewöhnung hat mir der Stil sogar sehr gut gefallen.

Die Geschichte ist eine Geschichte von Tod und Verlust, von Trennungen und Herzschmerz, von allerlei einschneidenden Erlebnissen und von Wendepunkten im Leben. Und es ist eine Geschichte von Freundschaften, von Mut und Lebenswillen und von Neuanfängen. Das alles hat die Autorin Darien Gee mit Hilfe ihres Freundschaftsbrot-Leitmotivs zu einer wunderbar gefühlvollen und auch unterhaltsamen Geschichte verwoben. Einer mit einem ganz grandiosen Ende, denn auch die Bewohner von Avalon stehen irgendwann vor dem großen Problem von zu viel Teig und die Lösung, die die Autorin sich dafür hat einfallen lassen, ist nicht nur der absolut passende Abschluss einer herrlichen Geschichte sondern auch einfach genial, emotional und sehr unterhaltsam.

Alles in allem ist Darien Gees „Je süßer das Leben“ ein wunderschönes, emotionales und unterhaltsames Wohlfühlbuch, das zwar kaum als Meisterwerk oder Klassiker in die Geschichte eingehen wird, aber einfach schön zu lesen ist. Mir hat dieser Roman auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und freue mich schon darauf mehr von dieser Autorin zu lesen. Eine dicke Empfehlung daher an alle Fans solcher Bücher.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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