Rezension zu Fateful: In weite Ferne von Claudia Gray

Ich muss zugeben, ich bin bislang nicht unbedingt ein Fan von Claudia Gray gewesen, „Evernight“ zum Beispiel fand ich relativ schrecklich. Aber irgendwie klang „Fateful: In weite Ferne“ ganz vielversprechend, auch wenn es mich schon etwas stutzig hat werden lassen, dass Blanvalet beschlossen hat, das Buch dann doch nur als eBook heraus zu bringen – aber hey, sowas könnte ja auch auf ein wenig geschätztes Juwel abseits des Mainstreams hindeuten! (Zugegeben, eher unwahrscheinlich bei einer Autorin wie Claudia Gray, aber man weiß ja nie)

Eins stand schnell fest: Ein Juwel ist „Fateful: In weite Ferne“ eindeutig nicht. Es ist kein schlechtes Buch, aber für mich ist es eher unteres Mittelfeld. Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Da wäre zuerst einmal Protagonistin Tess. Die ist zwar nicht unsympathisch, weißt aber auch nicht wirklich irgendwelche Charakterzüge auf, die sie von der 08/15 YA-Mainstreamheldin abheben. Dafür weiß sie schrecklich viel. Es ist als hätte die Autorin ihr alle Infos gegeben, die für einen möglichst raschen, reibungslosen Einstieg in die Geschichte nötig sind, ohne jede Rücksicht darauf, ob es wirklich Sinn macht, dass Tess als Bedienstete solche Informationen überhaupt besitzt.

Und das ist etwas, das sich durch die ganze Geschichte zieht: Das Gefühl, dass die Autorin mit relativ geringer Rücksicht darauf, ob es Sinn macht, Elemente in die Geschichte einbringt, die diese möglichst reibungslos ablaufen lassen – immer wieder entsteht dadurch eine Art „Deus ex machina“-Effekt, bei dem Elemente der Geschichte (seien es Charaktere, Ereignisse oder so etwas wie Tess‘ Wissensvorsprung) einfach nur deshalb auftauchen, um eine schnelle, einfache (und nicht wirklich in die Geschichte integrierte) Lösung für Konflikte zu bieten.

Was mich aber in den Bann dieser Geschichte gezogen hat, waren die Szenerie (hallo, die Geschichte spielt immerhin auf der Titanic! :D) und auch die Handlung ist – sieht man mal davon ab, dass sie an manchen Stelle etwas zu glatt läuft – eigentlich wirklich gut. Gray gelingt hier eine stimmungsvolle Mischung realer historischer Szenerie und Werwolf-Fantasy, die trotz der stereotypen Charaktere und des teilweise nicht so ganz gelungenen Schreibstils einen gewissen Zauber entfaltet und Leser in ihren Bann ziehen kann. Den zweiten Teil werde ich mir aber wohl nicht mehr zu Gemüte führen ^^

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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