Rezension zu Grimm von Christoph Marzi

Die 17jährige Vesper hat es nicht leicht im Leben. Zuerst hat sie in ihrer Heimat Berlin, wo sie mit ihrem Vater, dem berühmten Regisseur Maxime Gold lebt, nur Probleme, fliegt von der Schule und muss daraufhin nach Hamburg, zu ihrer Mutter, Margo Gold, einer bekannten Pianistin, ziehen, wo sie sich allerdings alles andere als wohlfühlt und an ihrer Schule für „verwöhnte neureiche Schlampen und saufende und kiffende Schlappschwänze mit unterirdischem IQ und Leistungskurs Sport“ nicht wenig Schwierigkeiten hat, die sie sich allerdings größtenteils selbst eingebrockt hat.

Diese Probleme treten jedoch abrupt in den Hintergrund, als sie vom Tod ihres Vaters erfährt und kurz darauf die Leiche ihrer Mutter entdeckt. Die plötzlichen Tode beider ihrer Elternteile sind nicht nur überraschend sondern auch von überaus mysteriösen Ereignissen überschattet, denn etwa zur selben Zeit werden überall in deutschen Städten Wölfe gesichtet und in ganz Europa fallen Kinder plötzlich für ein paar Minuten in tiefen Schlaf und ihre Eltern werden nachts von seltsamen Träumen heimgesucht.

Plötzlich findet sich Vesper inmitten mysteriöser Ereignisse wieder, die ihren Ursprung vor über hundert Jahren, zur Zeit der Gebrüder Grimm, hatten. Böse Wölfe, das von Generation zu Generation weitergegebene Geheimnis eines alten Bundes, das Erbe ihres Vaters und dessen Warnungen, die er den Märchen der Brüder Grimm entliehen hatte und die auf einmal wichtiger den je zu sein scheinen und irgendwie hängt auch noch der Selbstmord von Vespers älterer Schwester damit zusammen. Erst alleine, bald dann aber gemeinsam mit Leander Nachtsheim, den ein ähnliches Schicksal ereilt hat, macht sich Vesper Gold auf, diesen märchenhaft mysteriösen Ereignissen auf den Grund zu gehen.
Ich muss gestehen, dass ich bisher keins der Marzi-Bücher, die in meinem Regal stehen (u.a. Heaven und Lycidas), lesen mochte, ich bin bei keinem über die ersten Seiten hinausgekommen. Deshalb war ich diesem Buch gegenüber auch erst ziemlich skeptisch, aber da es um die Brüder Grimm und ihre Märchen geht, dachte ich, ich gebe dem Buch mal eine Chance. Und ich muss sagen, ich bin wirklich froh, dass ich das getan habe.

Das Buch ist genial. Es liest sich schnell und flüssig, die Handlung gewinnt rasant an Spannung, sodass sie den Leser schnell in ihren Bann zieht. Marzis Charaktere sind wundervoll anders, verschroben und irgendwie doch alle ziemlich schräg drauf, was sie aber nur umso liebenswerter macht und wodurch sie sich wundervoll in Marzis Mischung aus Fakten und Fiktion einfügen. Unter die historisch vollkommen korrekten Daten mischt der Autor fantastische Elemente und das mit soviel Feingefühl, dass der Leser ihm die so gesponnene Geschichte ohne weiteres abkauft und sich sofort in Vespers Welt hineinversetzt fühlt.

Fazit:

Ein grandioses Buch, an dem ich überhaupt nichts zu kritisieren habe! Oder doch, eine Sache gibt es da: die 560 Seiten waren entschieden zu kurz! Also hoffe ich jetzt sehnlichst auf eine Fortsetzung der Geschichte rund um Vesper Gold und die Bohemia und kann „Grimm“ nur jedem Fantasy-Fan wärmstens ans Herz legen.
Also: LESEN!

Das Cover:

Die Idee ist wirklich cool! Das Ganze hat ein bisschen etwas von einem Buntglasfenster, vor allem mit der Zeichenart der der verschiedenen Märchenszenen und ich finde es wirklich gut gemacht, wie das Motiv mit den verschlossenen Käfigtüren durch das I im Titel, das als Schlüssel dargestellt wird, wieder aufgegriffen wird. Sehr schön gemacht und sehr passend zum Buch.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Rezension zu Grimm von Christoph Marzi”

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