Rezension zu Die wundersame Geschichte der Faye Archer von Christoph Marzi

Christoph Marzi - Die wundersame Geschichte der Faye ArcherLovelyBooks - In dein Regal stellenChristoph Marzi – Die wundersame Geschichte der Faye Archer
 
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN: 978-3453529922
 
 
[mygenres]  
 
 

»Geschichten sind wie Melodien!« Mit diesen Worten verzaubert Alex Hobdon die junge Buchhändlerin Faye Archer vom ersten Augenblick an. Als er sein Skizzenbuch in ihrem Laden vergisst, tut Faye etwas völlig Untypisches: Sie schreibt Alex über Facebook an, und aus ein paar kurzen Chats entwickelt sich eine berührende Liebesgeschichte. Doch dann erfährt Faye, dass Alex ein Geheimnis verbirgt, das so unglaublich klingt, dass es eigentlich nur wahr sein kann, und Faye muss sich entscheiden, ob ihre Liebe zu Alex stark genug ist, dieses Geheimnis zu teilen …

 
 
Meinung:
 
Dieses Buch ist wirklich… strange. Ein wenig anstrengend und zäh, aber gleichzeitig teilweise auch irgendwie wunderschön und vor allem eben sehr, sehr strange.

Die äußere Gestaltung finde ich persönlich erst einmal einfach wunderschön. Das Buch fällt direkt ins Auge und auch, wenn diese aufgeblasene, schnörkelig-runde Schrift nicht unbedingt mein Fall ist, passt sie hier doch eigentlich richtig gut. Da wird man direkt neugierig und möchte wissen, was denn das Wundersame an Miss Archers Geschichte ist.

Und genau das war auch mein Problem mit dem Buch. Denn erst einmal gibt es hier nicht allzu viel Wundersames. Nur eine zarte Liebesgeschichte, bei der irgendwie der Wurm drin ist und die ausschließlich aus Facebook-Chats und irgendwie verunglückten Zufallstreffen auf der Straße besteht, die einem als Leser das Gefühl geben, dass hier irgendetwas nicht so richtig zusammen passt. Seltsam und strange, aber nicht direkt „wundersam“.

Das Dumme dabei war für mich, dass dieses seltsam anmutende Hin und Her recht anstrengend zu lesen war. Nun ist mir Christoph Marzis Schreibstil schon in seinen anderen Büchern als nicht gerade simple sondern recht anspruchsvoll aufgefallen, in diesem, naja – ich wage es gar nicht, das Buch als Urban Fantasy zu bezeichnen -, Contemporary-Chick-Lit-Romantasy-Dingsbums wird das ganze leider relativ schnell zäh und ermüdend und ich musste mich zwischendurch doch ziemlich abkämpfen, um voran zu kommen.

Wäre nicht Faye Archer, die Protagonistin, die diese auf den ersten Blick wenig wundersame Geschichte erlebt, mir nicht von der ersten Seite an überaus sympathisch gewesen, ich weiß nicht, wie lange ich das Buch durchgehalten hätte. Aber es ist mir leicht gefallen, mich mit Faye und ihren Gefühlen und Gedankengängen zu identifizieren bzw. mit ihr zu sympathisieren und das hat mich über weite Strecken bei der Stange gehalten.

Und irgendwie ist das Buch ja doch stellenweise eben auch wunderschön. Der gleiche Schreibstil, der auf der einen Seite noch so zäh und langatmig wirkt, erschafft auf der nächsten Seite aus ganz alltäglichen Momenten fast schon magisch anmutende Situationen, die mich dann doch zumindest stellenweise entschädigt haben.

Trotzdem hat mir ein wenig der Zugang zur Geschichte gefehlt. Ich wusste einfach nicht so recht, wie ich die Geschichte einordnen soll, habe mich immer wieder gefragt, kommt da jetzt noch was fantastisch und wenn ja, wie fantastisch wird es sein, wobei die Vorstellung, dass gleich irgendwo Vampire, Feen oder Werwölfe um die Ecke kommen, schon nach den ersten Seiten etwas wirklich lächerliches hatte. Trotzdem fühlte ich mich irgendwie hingehalten und war nach einer Weile dann doch genervt von der besagten „Strangeness“ der Geschichte, davon, dass irgendwie immer ein Puzzleteilchen fehlte, sodass die anderen einfach nicht recht zusammen passen wollten.

Als dann der wundersame Part von Fayes Geschichte schließlich kam, war ich irgendwie doch etwas… naja, nicht direkt enttäuscht, denn eigentlich fand ich die Idee dahinter wirklich gut, nur hätte ich gerade in diesem Zusammenhang mehr von dieser Magie gewünscht, die zwischendrin durch den Schreibstil immer wieder aufflackert. Das Ganze wirkte etwas unzeremoniell und gerade die Reaktionen bzw. die dadurch im Nachhinein in einem ganz anderen Licht zu sehenden Aktionen der anderen Figuren, allen voran Fayes beste Freundin Dana, führten dann doch zu einigen großen Fragezeichen, die mir durch den Kopf schwirrten.

Wer große Urban Fantasy erwartet, ist bei diesem Buch falsch. Ja, es gibt eine fantastische Komponente, die auch der Schlüsselaspekt der gesamten Handlung ist, die aber sehr dezent und meiner Meinung nach leider nicht so gelungen umgesetzt ist, wie ihr definitiv vorhandenes Potenzial es erlaubt hätte. Vielleicht bin ich auch einfach mit den falschen und zu hohen Erwartungen an „Die wundersame Geschichte der Faye Archer“ gegangen, aber mich konnte das Buch leider nur mäßig begeistern und für eingefleischte Fantasy-Fans ist es wohl eher nichts, da es alles in allem doch mehr in Richtung Chick Lit oder Contemporary Romance geht, auch wenn es sich, meiner Ansicht nach, kaum in irgendeine Schublade stecken lässt, erst recht nicht in eine mit einem dieser komischen Ami-Genre-Kunstbegriffe.
 
 


 
 
Mit herzlichem Dank an den Heyne Verlag, der so freundlich war, mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen
Heyne
 
 
3 Sterne - Okay

 
 
Der Autor
 
Christoph Marzi, Jahrgang 1970, wuchs in Obermendig nahe der Eifel auf, studierte in Mainz und lebt heute mit seiner Familie im Saarland. Seit dem großen Erfolg seiner Saga um die Uralte Metropole (Lycidas, Lilith, Lumen und Somnia) ist er einer der erfolgreichsten deutschen Phantasik-Autoren.
 
 

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

Alle Beiträge von Rike »

1 Kommentare zu “Rezension zu Die wundersame Geschichte der Faye Archer von Christoph Marzi”

  1. Das Buch lacht mich jetzt noch mehr an, ich hab ja auch kein Problem mit ChickLit und ähnlichem und irgendwie… es spricht mich wirklich an. Jetzt bin ich noch neugieriger!

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst die folgenden HTML Codes in deinem Kommentar verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

%d Bloggern gefällt das: