Rezension zu Jane Austen: 100 Seiten von Christian Grawe

„It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife.“

Mit diesem Satz hat Christian Grawes Leidenschaft für Jane Austen und ihre Romane vor fast 50 Jahren begonnen. Seit dem hat sich der Germanist, dessen Forschungsschwerpunkt eigentlich Theodor Fontane ist, gemeinsam mit seiner Frau Ursula einen Namen als Übersetzer verdient und neben den Romanen der Autorin auch ihre Briefe übersetzt und eine Biographie zu ihr geschrieben. Und mit diesem Werk einen der ersten 10 Bände von Reclams neuer „100 Seiten“-Reihe beigesteuert.

Wie unbekannt Austen damals im deutschprachigen Raum noch war […], lässt sich an zwei Beispielen illustrieren. […] Und auf mein Angebot, die Austen Biographie für eine Taschenbuch-Reihe zu schreiben, antwortete die Herausgeberin herablassend, ich wolle wohl auf ungebürliche Weise einer lebenden jungen Autorin zu unverdientem frühem Ansehen verhelfen.

Jane Austen: 100 Seiten von Christian Grawe, Seite 5

Eine Zeit, in der Jane Austen in Deutschland quasi unbekannt war? Tja, offenbar liegt diese noch gar nicht soweit zurück und wir scheinen es nicht zuletzt Christian Grawe zu verdanken haben, dass die Werke der britischen Schriftstellerin heute auch fester Bestandteil vieler deutscher Bücherregale sind. Grawe hat also definitiv Ahnung von dem, worüber er hier schreibt, und das merkt man den 100 Seiten auch an.

Es gibt Infos zu Jane Austens Leben, zu ihrer Heimat, ihrem Aussehen und vor allem jede Menge Zitate von Menschen, die sie kannten und allerlei Persönlichkeiten, die sich zu ihr und ihren Werken geäußert haben – nicht alle positiv. Dazu gibt es natürlich auch ausgiebige Informationen zu ihren Werken: allein 20 Seiten werden darauf verwendet diese zusammenzufassen – eventuell etwas viel. Auch den letzten beiden Abschnitten des Buchs stand ich eher kritisch gegenüber: Grawes Empfehlung, in welcher Reihenfolge man die Bücher lesen sollte, entspricht nicht wirklich meiner Meinung und bei dem kurzen Abschnitt zu den Austenverfilmungen kommt der Autor merklich an seine Grenzen.

Austens gnadenlosester Kritiker, der amerikanische Humorist Mark Twain (1835-1910), fand, »allein das Fehlen der Bücher [von Jane Austen] würde eine ziemlich gute Bibliothek aus einer machen, die gar keine Bücher enthält«.

Jane Austen: 100 Seiten von Christian Grawe, Seite 76

Alles in allem ist „Jane Austen: 100 Seiten“ von Christian Grawe trotzdem ein nettes Büchlein sowohl für Austen-Fans als auch Leute, die bislang wenig mit der britischen Kultautorin zu tun gehabt haben. Wobei letztere damit wahrscheinlich mehr anfangen können, da Austen-Kennern vieles bereits bekannt sein dürfte, z.B. allein das Fünftel des Buchs, das Austens Werke noch einmal zusammenfasst.

Für eingeschworene „Janeites“ 3 Sterne, für Neulinge allerdings die vollen 5, mit minimalem Abzug für den recht kläglichen Filmteil. Und ob diese 100 Seiten wirklich 10€ wert sind… Ich weiß ja nicht – hübsch ist es aber 💚

Für Fans von…

  • Jane Austen
  • Trivia

Was andere Blogger sagen:

„An diesem Buch können sowohl Austen-Neulinge als auch verschworene Austen-Liebhaber Gefallen finden.“

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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