Rezension zu Der eiserne Wald von Chris Howard

Dieses Buch ist ja geradezu niedlich, wenn man es in der Hand hält. Hier trifft die Bezeichnung „Taschenbuch“ wirklich zu, denn auch wenn das Buch im Vergleich mit anderen Büchern gar nicht einmal so klein ist, hat es doch ziemlich winzig gewirkt, als ich es zum ersten Mal in der Hand hatte. Aber Größe ist ja bekanntlich eh eher irrelevant, genau wie man Bücher ja nicht nach ihrem Cover beurteilen soll, wobei mir dieses eigentlich sogar ganz gut gefällt. Jedenfalls, ich habe mich auf das Buch gefreut und war gespannt auf die Geschichte hinter dem eisernen Wald und habe mich dabei auch nicht von der geringen Größe des Buchs beirren lassen – sehr wohl aber vom Inhalt.

Denn mit dem konnte ich nicht wirklich viel anfangen. Das ganze Buch schreit geradezu „Öko-Aktivismus!“, denn der einzige Sinn und Zweck der Geschichte scheint zu sein, die Menschen vor den Gefahren des Klimawandels zu warnen. Das ist an sich ja nun nichts Schlimmes, sondern bietet definitiv sehr viel Stoff für eine durchaus spannende Thematik, nur leider haperte es bei „Der eiserne Wald“ dann doch sehr an einem guten Konzept.

Das Problem: Es gibt keine Bäume mehr. Seit Generationen. Und auch sonst keine Pflanzen, abgesehen von genmanipuliertem Mais und auch keine Tiere, sieht man von Menschen und mutierten Heuschrecken einmal ab. Die Frage, die ich mir dann stelle, ist: Wenn es seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten keine Bäume und abgesehen vom Mais auch keine anderen Pflanzen mehr gibt, wieso ist dann noch genug Sauerstoff in der Atmosphäre, dass die Menschen nicht einfach ersticken? Denn zwar sterben die meisten Leute in der von Howard geschaffenen Welt anscheinend an Lungenversagen, aber nicht weil der Sauerstoff zu knapp wäre.

Ähnlich verlief es auch mit den anderen Punkten, den anderen ökologischen und klimatischen Unterschieden, die es zwischen unserer Welt und der in diesem Roman gibt. Sie sind da, aber wieso? Joar, nach der großen Dunkelheit war der Mond eben einfach näher an der Erde und daher hat halt das Meer gesponnen, so sagen die Leute zumindest. So oder so ähnlich sehen die wenigen „Erklärungsansätze“ aus, die in diesem Roman enthalten sind. Und das hat mich massiv gestört.

Ja, ich finde Romane über die möglichen Folgen dessen, was wir Menschen aktuell so anstellen, sehr interessant, egal ob es dabei um soziale, ökologische oder sonstige Folgen unseres Handelns geht, nur will ich nicht einfach in eine Zukunftsvision gestoßen werden, in der die Folgen eben da sind, ich will auch wissen, warum genau es so gekommen ist. Was ist passiert, warum ist diese Welt so anders als unsere? Fehlt dieser Zwischenschritt, die Verbindung zwischen realer Gegenwart und fiktiver Zukunft wird die ganze Geschichte für mich relativ uninteressant und genau das war hier leider der Fall.

Dazu kam, dass mich auch die Charaktere nicht so wirklich in ihren Bann ziehen konnten. Banyan ist okay, er nervt nicht, man kann seiner Erzählung ganz gut folgen, aber mehr als okay ist er als Hauptfigur leider nicht. Mir fehlte einfach der Draht zu ihm, ich fand ich relativ uninteressant und vor allem blass, wie überhaupt viele der Figuren und Szenarien in diesem Buch. Sehr viel bleibt schemenhaft, wirkt nicht richtig bzw. nur recht lieblos ausgearbeitet und fängt daher schnell an zu langweilen.

Alles in allem konnte mich „Der eiserne Wald“ von Chris Howard daher leider nicht überzeugen. Die Idee ist interessant, aber mir fehlt es an Hintergrundinformationen und ‚wissenschaftlichen‘ Erklärungen. Daher nur zwei Sterne und keine Empfehlung für dieses Buch.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

Alle Beiträge von Rike »

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst die folgenden HTML Codes in deinem Kommentar verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

%d Bloggern gefällt das: