Rezension zu Wo Schneeflocken glitzern von Cathryn Constable

Mit „Wo Schneeflocken glitzern“ hat Cathryn Constable ein modernes Wintermärchen im verschneiten Russland geschaffen. Eigentlich genau das Richtige, um sich zu dieser Zeit des Jahres schon mal so richtig in Winterstimmung zu lesen (für den Fall, dass ihr nicht zu denen gehört, bei denen es schon geschneit hat ;)) – nur darf man dabei leider nicht zu viel von diesem Buch erwarten. Denn so spannend die Ausgangssituation auch ist, leider hapert es in der Umsetzung doch teilweise etwas.

Sophie, Marianne und Delphine sind Schülerinnen an einem britischen Internat und fristen dort ein ziemlich eintöniges Leben. Doch dann kommt die große Überraschung: Die Schülerinnen wurden auf eine Reise mit dem Dampfzug nach St. Petersburg eingeladen. Für Sophie, unsere Heldin, geht ein Traum in Erfüllung. Denn zu den wenigen Erinnerungen, die das junge Mädchen noch an ihren Vater hat, ist wie er sie mit russischen Liedern in den Schlaf singt. Auf geht es also in das Land, in dem Sophie hofft, ihrer Herkunft und Vergangenheit auf den Grund zu kommen. Dass es da direkt am Anfang zu Komplikationen kommt, ist ja eigentlich kein Wunder.

So weit, so gut. Sophie und ihre beiden Wegbegleiterinnen könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein, mit Sophie als armer Waise vom Land, Marianne dem Wissenschaftscrack und Delphine dem verzogenen reichen Gör. Dummerweise beschränken sich die Unterschiede der Figuren aber auch schon auf diese ganz offensichtlichen Dinge, weil es ihnen nämlich leider doch erheblich an Tiefe fehlt und sämtliche Figuren, Heldinnen wie Bösewichte und alles dazwischen, sind recht eindimensional.

Auch das Gewirr aus Verschwörungen, Mysterien, Geheimnissen, verschollenen Prinzessinnen und verlorenen Diamanten, in dem die Freundinnen dann landen, ist zwar auf den ersten Blick wirklich spannend und faszinierend, es dauert jedoch alles andere als lange bis man als Leser das gesamte Gestrüpp aus Intrigen durchschaut hat und anfängt sich zu fragen, wie lange denn die Mädels wohl noch brauchen, bis sie das eigentlich offensichtliche erkennen.

Ein großes Plus hat das Buch jedoch und das ist die Atmosphäre. Denn es dauert nicht lange bis sich nicht nur Sophie und Co. sondern auch der Leser im Zauber des winterlichen Russlands verlieren. Cathryn Constable schafft es schnell eine sehr dichte, magische Atmosphäre aufzubauen und die von ihr geschaffene Szenerie zum Leben zu erwecken. Wälder und Schloss stehen einem beim Lesen schnell in aller Pracht vorm inneren Auge und genau das war es, was dieses Buch für mich dann doch zu einer faszinierenden Lektüre gemacht hat.

Alles in allem ist die Geschichte hinter „Wo Schneeflocken glitzern“ recht simpel, weshalb ich eigentlich sagen würde, dass sich das Buch gerade für jüngere Leser empfiehlt, gleichzeitig ist die Erzählung aber auch immer wieder recht düster, was dann doch im Konflikt zueinander steht. Durch die zauberhafte Atmosphäre allerdings bekommt das Buch von mir einen Extrastern und eine Empfehlung als locker-leichte aber magische Winterlektüre.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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