Rezension zu Holmes & Ich: Die Morde von Sherringford von Brittany Cavallaro

Ich mag Sherlock Holmes sehr, ob nun die ursprünglichen Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle oder die moderne Fernsehserie der BBC und war daher auch sehr gespannt auf „Holmes & Ich: Die Morde von Sherringford“ von Brittany Cavallaro. Holmes und Watson als moderne Jugendliche, die in ihrem Internat einen Mordfall aufklären müssen? Klingt doch super! Und einiges an dem Roman hat mir auch wirklich ausgesprochen gut gefallen. Anderes hingegen hat mich ziemlich genervt.

Aus Meisterdetektiv Sherlock Holmes und Dr. John Watson werden hier die 17/18jährigen Charlotte Holmes und James Watson – mal abgesehen davon, dass ‚James‘ eindeutig Moriartys Name ist, soweit so gut, denn an einer teils genderswitched Teenagerversion des Ermittlerduos ist ja erstmal nichts auszusetzen. Auch die Familiengeschichte der zwei ist alles andere als schlecht gemacht: In dieser Romanwelt waren Sherlock Holmes und John Watson reale Personen, die all die berühmten Kriminalfälle tatsächlich erlebt und gelöst haben – gleichzeitig existieren aber auch Doyles Romane, nur dass die eben keine fiktiven Werke sind, sondern auf realen Ereignissen basieren, was die Familien Holmes und Watson auch einige Generationen später noch berühmt-berüchtigt macht.

Und hier fangen meine Probleme an: Denn offenbar sind alle Holmes 1:1 Kopien von Sherlock – und vielleicht auch alle Watsons 1:1 Kopien von John? War vermutlich so angedacht, leider ist Ich-Erzähler Jamie aber weder besonders interessant, noch besonders sympathisch, bei mir überwog ganz klar der Eindruck des irgendwie hohlköpfigen Sportlers mit Aggressionsproblemen. Charlotte hingegen ist genau wie Sherlock Holmes – allerdings fehlt ihr ein wichtiges Element: Der Charm! Während sowohl Doyles als auch BBCs Sherlock zwar ein überheblicher, soziopathischer Arsch ist, hat er trotzdem einen gewissen Charm und irgendwas, das ihn dem Leser/Zuschauer trotzdem ausgesprochen sympathisch macht. Da Charlotte das nicht hat, wirkt sie schnell wie ein billiger Abklatsch und leider auch relativ nervig.

Außerdem hatte ich Probleme damit, wie mit den Themen Vergewaltigung und Drogenmissbrauch umgegangen wird. Im Endeffekt nämlich gar nicht, mal abgesehen von einer Aussage Charlottes á la „Oh, ja, klar, er das Mordopfer hat mich vergewaltigt, sicher, aber das hab ich niemandem erzählt, weil ich dann hätte zugeben müssen, dass ich zu dem Zeitpunkt unter Drogen stand und dann wäre ich von der Schule geflogen“. Es ist allgemein bekannt, dass die Familie Holmes zu Drogenproblemen neigt und ein mehr oder minder offenes Geheimnis, dass auch Charlotte selbst quasi seit Kindertagen Drogen nimmt, aber das scheint keinen zu kümmern und ist im Endeffekt auch irrelevant, immerhin kann sie ja auch einfach so aufhören – total realistisch…

Insgesamt ich die Idee hinter „Holmes & ich: Die Morde von Sherringsford“ nicht schlecht, die Art, auf die Autorin Brittany Cavallaro diese umgesetzt hat, allerdings schon. Die Handlung ist zwar ganz okay und die Verknüpfungen zu den Originalmordfällen von Holmes und Watson gut gemacht, aber die Charaktere waren in meinen Augen eine ziemliche Katastrophe und ich hatte mir einfach etwas… naja, etwas MEHR gewünscht, etwas mehr Individualität, etwas, das mehr über die Vorlage hinausgeht bzw. sie mehr zu etwas neuem, eigenem verarbeitet… Schade, aber das hätte deutlich besser werden können – für mehr als 2,5 Sterne reicht es jedenfalls nicht. Und ich schau jetzt einfach nochmal die ersten Staffeln von Sherlock 😅

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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