Rezension zu Der Rithmatist von Brandon Sanderson

Mit Kultautor Brandon Sanderson stehe ich ja etwas auf Kriegsfuß. Alles, was ich bisher von ihm gelesen habe, war okay, aber nichts davon konnte mich so richtig mitreißen. Trotzdem hatte ich allein wegen der vielen guten Besprechungen immer wieder die Hoffnung, dass das nächste Buch das lang erwartete Highlight sein würde. Allerdings hat das auch mit Brandon Sandersons neustem Roman, dem Jugendroman „Der Rithmatist“ einfach nicht klappen wollen.

Ich konnte schlicht und ergreifend nichts mit dem Protagonisten Joel anfangen. Er ist verbittert und das konnte ich bis zu einem gewissen Grad auch nachvollziehen, denn er fühlt sich vom Schicksal betrogen, das ihm seine einzige Chance genommen hat zu einem „Rithmatist“ zu werden, einem der Magier, die die Macht haben, Kreidezeichnungen zum Leben zu erwecken. Aber leider ist Joel nicht einfach nur verbittert sondern geradezu besessen und das fand ich fürchterlich nervig. Er ist ein egozentrisches Bürschlein, das zumindest zu Beginn der Geschichte quasi keinerlei Mitgefühl besitzt.

Und da der gesamte Roman aus Joels Perspektive erzählt ist, hat mir das es doch sehr schwierig gemacht, den Roman wirklich zu mögen. Vor allem da auch der Schreibstil für meinen Geschmack irgendwie stellenweise zu plump war. Dabei ist der Rest eigentlich wirklich unglaublich gut. Das gesamte Magiesystem konnte mich auf Anhieb faszinieren und dass das Buch durchgängig mit erklärenden Illustrationen versehen ist, die einem die Kreidemagie veranschaulichen, macht die Sache nur noch interessanter. Auch die Welt fand ich, so strange sie auch ist, super aufgebaut, es ist eine Art von Steampunk-Parallelwelt, in der Amerika eine Ansammlung von Inseln ist und Europa von Asien erobert wurde. Hier hätte ich mir allerdings auch gerne noch einiges mehr an Informationen gewünscht, ich stehe halt auf Hintergrundgedöhns.

Am besten haben mir allerdings die Nebenfiguren gefallen, allen voran Melody. Genau wie alle anderen Figuren rund um Joel besticht sie durch ihr ganz eigenes Wesen, das relativ unkonventionell und ziemlich widerspenstig ist, dabei aber wahnsinnig sympathisch. Mir haben sämtliche Nebenfiguren einfach um ein Vielfaches besser gefallen als der Protagonist, was nun wirklich nicht so wahnsinnig vorteilhaft war, denn ich bin einfach die ganze Zeit über das Gefühl nicht losgeworden, dass mir „Der Rithmatist“ einfach viel besser gefallen hätte, wäre der Protagonist ein anderer gewesen.

Alles in allem konnte mich Brandon Sanderson mit „Der Rithmatist“ leider nicht überzeugen, was allerdings nicht im geringsten an der Geschichte lag sondern nahezu ausschließlich an der Wahl des Protagonisten, mit dem ich auf den über 400 Seiten partout nicht warm geworden bin. Schade, denn so wurde mir ein eigentlich großartiges Buch ruiniert, weil ich mit der entscheidenden Figur nichts anfangen konnte. Wer aber das Gefühl hat, dass er mit Joel klar kommen könnte, der sollte diesem Roman definitiv eine Chance geben!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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