Rezension zu Nicodemus: Der Zauberverschreiber von Blake Charlton

Blake Charlton – Nicodemus: Der ZauberverschreiberAdd on GoodReadsBlake Charlton – Nicodemus: Der Zauberverschreiber

Originaltitel: Spellwright
Verlag: Klett-Cotta
Format: Gebunden
Seiten: 473
ISBN: 978-3608938777

[mygenres] Band 1 der Serie „Nicodemus“

Nicodemus ist Student der Zaubersprachen. Durch seine Legasthenie bringt er die einfachsten Zaubersprüche durcheinander, und die komplizierteren erst recht. Schon bald gerät er zwischen die Fronten eines unerbittlichen Kampfs der Zauberschulen.Magische Runen steigen von einer Buchseite auf, sie vermögen den Körper eines Mannes in die Luft zu heben, ein Messer zu schärfen oder ein Herz anzuhalten. Nichts ist in Starhaven so machtvoll wie die Magie der Zaubersprüche! Nur Nicodemus, dem Lehrling der Zaubersprachen, will rein gar nichts gelingen. Durch seine Legasthenie bringt er die Zaubersprüche ein ums andere Mal durcheinander und stürzt sich und seine Umgebung in heilloses Chaos.
Und ist er womöglich der lang ersehnte Halkyon, der die Welt von Starhaven retten soll? Wer aber hat Nicodemus die Kunst des Zauberschreibens gestohlen?
Seine Feinde haben sich schon auf den Weg gemacht. Durch den rätselhaften Mord an einer Professorin geraten Nicodemus und sein Mentor, der blinde Zauberer Shannon, in große Gefahr.

Buchkritik:

Nicodemus Weal ist ein Kakograph. Er ist ein Zauberschreiber, einer der Menschen, die Zaubersprachen sehen und durch pure Muskelkraft auch Runen hervorbringen können, um in ihnen zu schreiben, doch Nicodemus leidet unter Legasthenie. Und das macht ihn zu einem so genannten Kakopgrahen, denn schon bei den einfachsten Zaubersprüchen verschreibt er sich und allein seine Berührung bringt auch den komplexesten Spruch vollkommen durcheinander.
Und als wäre es nicht schlimm genug, dass ihn daher das Chaos auf Schritt und Tritt begleitet, muss sich Nicodemus immer wieder aufs neue fragen, ob er nicht vielleicht doch der prophezeite Halkyon ist, der im Krieg der Sprachen die Menschen vor den Dämonen rettet. Doch wenn er der Halkyon ist, wieso kann er dann er dann nicht richtig zaubern?
Noch während Nicodemus sich mit den täglichen Tücken rumschlägt, die das Leben als kakographischer Lehrling der Zaubersprachen eben so mit sich bringt, holen mächtige Feinde, von dessen Existenz er nicht einmal ahnt, bereits zum ersten Schlag aus. Und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Blake Charltons Fantasy-Roman ist allein durch sein ganz neues, ganz andersartiges Magie-Konzept bereits wahnsinnig beeindruckend. Die Idee, dass Magie nichts anderes ist als Sprache, Sprache, deren Buchstaben (bzw. Runen) durch Muskelkraft geformt werden können, und dass man so Texte „schreiben“ kann, die praktisch alles tun können, vom Geschirrspülen bis hin zum Erschaffen von selbstständig denkenden Kreaturen, ist wirklich faszinierend. Dieses wohl durchdachte und komplexe System entschädigt auch dafür, dass Charltons Geschichte einige Schwächen aufweist. Denn leider ist das Verhältnis zwischen dem Teil, in dem die Vorgeschichte erklärt wird und alles ins Rollen kommt und dem Teil, in dem Nicodemus selbst wirklich mitten in die Action hineingerät, nicht allzu gut ausbalanciert, sodass die Geschichte die eine oder andere langatmige Passage enthält. Auch das Setting und Charaktere sind, wie es bei High Fantasy aber schon fast nicht mehr zu vermeiden ist, etwas klischeehaft, was aber nichts daran ändert, dass alles sehr gut durchdacht und faszinierend geschildert ist, Setting, Charaktere, Gesellschaft und Magie gleichermaßen. Auch der Aspekt der Legasthenie bringt ein ganz neues Element in die Handlung und da der Autor selbst Legastheniker ist, gelingt ihm die Schilderung von Nicodemus Gefühlen im Bezug auf sein „Handicap“ sehr gut.
Leider weißt der Stil die eine oder andere Holprigkeit auf, ob das jetzt am Autor oder am Übersetzer liegt vermag ich dabei nicht zu sagen, denn auch wenn ich zuerst die Originalausgabe angefangen habe, bin ich damit nicht allzu weit gekommen, denn Charltons Magiekonzept war mir dann doch zu kompliziert, um es auf Englisch zu verstehen, bzw. die nötige Motivation aufzubringen, um mich durch seitenweise schwer verständliche Erklärungen voll mit unbekannten, vom Autor neugeschaffenen bzw. von grammatikalischen Begriffen abgeleiteten Wörtern zu quälen. Daher rate ich jedem, der Englisch nicht als Muttersprache hat doch eher zur deutschen Übersetzung zu greifen und die vereinzelten, definitiv nicht gewollten Rechtschreibfehler zu überlesen und auch dem Stil noch eine Chance zu geben, immerhin ist „Nicodemus: Der ZauberVERschreiber“ erst der Auftakt einer Trilogie, und trotz aller kleineren Schwächen ein wirklich vielversprechender Auftakt.

Fazit:

Ein Muss für Fans ausgefallener High-Fantasy, das trotz einiger Schwächen Lust auf mehr macht. Wem Tad Williams oder Trudi Canavan gefallen, der wird sicherlich auch Spaß an Blake Charlton haben.

Das Cover:

Was ich an diesem Cover besonders faszinierend finde, ist wie unglaublich detailreich die Coverart ausgearbeitet ist. Auf jeden Fall passt es gut zum Buch und es sieht klasse aus.


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Mit herzlichem Dank an den Klett-Cotta Verlag, der so freundlich war, mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen
Klett-Cotta

4 Sterne - Sehr gut

Die Autorin

Blake Charlton, geboren 1979, studiert Medizin an der Stanford University. Bevor er an diese Eliteuniversität aufgenommen wurde, hatte er selbst mit seiner Legasthenie und dem Ruf als ewiger Schulversager zu kämpfen. »Der Zauberverschreiber« ist sein erster Fantasyroman.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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