Rezension zu Engelchen von Betty Kurtzweil

Es fällt mir wahnsinnig schwer, dieses Buch zu rezensieren. Warum? Weil es mir stellenweise sehr unter die Haut gegangen ist und ich mir nach wie vor, zwei Wochen nach dem Lesen, nicht sicher bin, ob ich mit dem Ausgang der Geschichte zufrieden bin. Oder ob ich unzufrieden damit bin, das aber so sein muss, weil es am besten zur Geschichte passt… Kann mir noch jemand folgen? 😀

Jedenfalls, Betty Krutzweils „Engelchen“ ist mir erstmal durch den Schreibstil aufgefallen, denn der ist ein wenig gewöhnungsbedürftig gewesen, stellenweise vielleicht etwas „angestaubt“. Allerdings ist das Buch auch schon von 1997, vielleicht liegt die hier und da ein wenig antiquierte Ausdrucksweise also daran? Oder die teils ungewöhnliche Ausdrucksweise ist auf die Tätigkeit der Autorin als Dozentin für „misandrische Sprache“ (Misandrie als Gegenstück zur Misogynie meint übrigens eine männerfeindliche Haltung) zurück zu führen? 😉

Dazu kommt, dass „Engelchen“ definitiv eins dieser Bücher ist, für die gilt „don’t judge a book by its cover“, auch wenn einem das Cover gut gefällt. Denn so unschuldig es mit seinem Titel und den beiden Engelsfiguren auch tut, es ist eigentlich alles andere als unschuldig. Es gibt Drama, Erpressung und Tote – Unschuld sieht eigentlich doch ganz anders aus.

Unschuld sieht vielleicht ein wenig aus wie Meta, das titelgebende Engelchen, das sich mit seinen 1,8m überhaupt nicht wie ein zartes Engelchen fühlt, aber eigentlich doch viel unschuldiger und viel zerbrechlicher ist, als man es vom äußeren Eindruck vielleicht vermuten würde. Engelchen, so wird sie von Lilli genannt, der Frau, mit der sie seit drei Jahren zusammen ist und die mir irgendwie… suspekt gewesen ist.

Um es anders auszudrücken, ich mochte Lilli nicht. Überhaupt und absolut gar nicht. Dafür hat sie mich zu sehr an jemanden erinnert. Himmel, ich weiß ja nicht einmal, ob ich Meta wirklich mochte, dabei war sie mir in vielen Dingen erschreckend nahe und ich konnte stellenweise schon fast zu gut mit ihr mitfühlen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin kein großer Fan von Geschichten, die mir auf eine negative Art und Weise emotional nahe gehen. Oftmals sind aber gerade diese Bücher alles andere als schlecht, denn es sind weniger irgendwelche Situationen als viel mehr die Charaktere, die mir nahe gehen und dazu müssen sie eine gewisse Tiefe haben. Das haben sie hier – zumindest Meta, denn Lilli blieb mir recht fremd und war irgendwie unnahbar.

Auch die Handlung ist gut – nicht immer völlig unvorhersehbar, aber trotzdem faszinierend genug, um mich so zu fesseln, dass ich das Buch in einem Rutsch durch gelesen habe. Allerdings konnte ich an einigen Stellen gerade Metas Verhalten – so sehr ich sie sonst verstehen konnte – überhaupt nicht verstehen und die Geschichte schien ohne große Turbulenzen über eigentlich doch recht einschneidende Ereignisse hinweg zu gehen, da Meta einfach ziemlich passiv blieb.

Und dann das Ende o.O Das fand ich dann doch irgendwie… Es kam zum einen für mich irgendwie ziemlich abrupt, zum anderen bin ich, glaube ich, doch alles andere als zufrieden mit dem rosaroten-Zuckerguss-Happy-End, das es für Meta und Lilli gibt, denn eigentlich ist hier nichts rosaroter Zuckerguss… Irgs… Ich weiß auch nicht, aber für mich hatte das Ende einen faden Beigeschmack.

Trotzdem, ich habe Betty Kurtzweils „Engelchen“ quasi am Stück verschlungen, war gefesselt und fasziniert von der Geschichte, hier und da aber auch vom Verhalten der Figuren abgestoßen, der Schreibstil und die Sprache der Autorin haben mich in ihren Bann gezogen, obwohl sie mich gleichzeitig immer wieder befremdet haben und insgesamt bin ich einfach zwiegespalten. Alles andere als ein schlechtes Buch, aber für mich hatte es zu oft einen unangenehmen Beigeschmack, daher kriegt es 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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2 Kommentare zu “Rezension zu Engelchen von Betty Kurtzweil”

    1. Im neuen Katalog findest du das wohl eher nicht 😉 Höchstens in der Backlist. Ist schon älter, um nicht zu sagen alt, von 1997 und neu wohl nur noch über den Verlag direkt zu beziehen…

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