Rezension zu Die Stadt des roten Todes: Das Mädchen mit der Maske von Bethany Griffin

Dieses Buch ist angelehnt an Edgar Allan Poes „Masque of the Red Death“ (dt. „Die Maske des Roten Todes“). Warum genau man im Deutschen den Titel derart auseinander gepflückt hat, anstatt wie im Englischen den Titel der Vorlage zu übernehmen, weiß ich nicht, finde es aber irgendwie irritierend. Und so ging es mir bei diesem Buch leider nicht nur mit dem Titel.

Die Ausgangssituation ist hervorragend und absolut vielversprechend, sodass mich das Buch praktisch von der Inhaltsangabe an in seinen Bann gezogen hat. Und es ist so einfach in Griffins Geschichte einzutauchen! Die Welt, die sie auf den ersten Seiten gekonnt mit gut gewählten Worten erschafft, ist absolut faszinierend und hat wahnsinnig viel Potential.

So auch die Protagonistin Araby. Doch die entfaltet, entgegen der wirklich vielversprechenden Anfänge, leider nicht ihr ganzes Potential. Araby war mir zu Beginn des Buch völlig unsympathisch, wurde mir dann gerade dadurch sympathisch, denn sie entspricht so gar nicht den gängigen Klischees einer YA-Protagonistin. Kaum das die Rätsel, die Araby umhüllen, allerdings nach und nach gelüftet werden, tun sich auch schon die ersten Löcher in ihrer Konstruktion auf.

Ich finde es einfach unsinnig, bei einem Charakter so viel Wert darauf zu legen, dass er sein Leben nach einem Schwur richtet, nur um diese Lebenseinstellung dann so unglaublich unüberzeugend herüber zubringen. Ich fand die Idee hinter Arabys Schwur eigentlich sehr gut, nur leider hat die Autorin ihre Protagonistin diese Einstellung nicht konsequent durchziehen lassen, sodass sich das ganze irgendwie ausschließlich auf ihr Liebesleben ausgewirkt hat, wodurch das Ganze einen arg faden Beigeschmack bekommen hat und nur noch wie ein Mittel zum Zweck gewirkt hat. Das hat Araby in meinen Augen sehr viel Glaubwürdigkeit gekostet und das konnte Griffin im Laufe der Geschichte auch nicht wieder gut machen.

So war „Die Stadt des roten Todes: Das Mädchen mit der Maske“ eine tolle Geschichte, die sich auf – im wahrsten Sinne des Wortes – fantastische Weise mit der berühmten Vorlage auseinander gesetzt hat, die aber durch einige eklatante Mängel in der Konzeption – allen voran der des Hauptcharakters – viel von ihrem Potential wieder einbüßt.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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