Rezension zu Glück à la carte von Antonella Boralevi

Äh… Okay, kennt ihr diese Bücher, die euch das Gefühl geben, dass ihr irgendwie zu dumm seid? „Glück à la carte“ von Antonella Boralevi ist für mich so ein Buch gewesen. Wobei das hier meiner Definition nach ja eigentlich kein Roman ist, sondern mit seinen 190 groß bedruckten Seiten eher eine Novelle. Verwirrt hat mich das ganze trotzdem.

Dabei fing die Geschichte so gut an. Auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die Sprache unter der Übersetzung gelitten und im italienischen Original vermutlich besser funktioniert hat (ich bin allerdings auch der Meinung, dass Deutsch, bzw. so ziemlich alle germanischen Sprachen, reichlich unelegant sind im Vergleich zu den romanischen Sprachen 😁), die Idee ist einfach klasse:

Ein Pariser Restaurant, in dem auf der Karte keine Gerichte stehen, sondern stattdessen all die verpassten Gelegenheiten und nicht ergriffenen Chancen im Leben desjenigen, der das Menu in der Hand hält. Und schlägt man das Menu auf, muss man all diese Momente noch einmal durchleben, kann sich dafür aber nachher auch einen raussuchen, den man ändern will, eine verpasste Chance, die man doch wahrnehmen will, den Punkt, von dem aus man sein Leben neu leben möchte.

Und Protagonistin und Ich-Erzählerin Mirella hat einige dieser verpassten Gelegenheiten, die sie zutiefst bereut – was dem Leser parallel zu ihrem offensichtlichen Wohlstand/Reichtum ohne Unterlass unter die Nase gerieben wird -, weshalb sie am Vorabend ihres 47. Geburtstags dann auch das Restaurant in der Rue Thérèse aufsucht. Der Leser durchlebt gemeinsam mit Mirella Bruchstücke aus ihrer Kindheit, Jugend und den späteren Jahren, Erinnerungen an die Großeltern, das Studium, Karneval in Venedig und Fehlgeburt. Und dabei wird es… nun ja, irgendwie seltsam.

Die Erinnerungsfetzen, okay, die sind lediglich teils etwas plötzlich, die Übergänge etwas abgehackt, aber da passen Stil und Inhalt durchaus ganz gut zusammen. Verwirrend wurde es allerdings, wenn sich Einbildung und Erinnerung überlagerten, aber auch das war durchaus passend zur Erzählung. Wirklich seltsam, waren hingegen die Vorgänge im Restaurant, die von Anfang an etwas skurril waren, dann aber schnell ins wirklich Bizarre und Groteske abdriften, irgendwie fratzenhaft werden und für einen anhaltenden „WTF?!-Moment“ beim Lesen gesorgt haben.

Naja, und dann ist da noch das Ende. Das kommt sehr abrupt. Es ist irgendwie unbefriedigend. Und er macht eins deutlich: Auch wenn einem zuvor Einblicke in zutiefst private Momente aus Mirellas Leben geboten wurden, scheint die Geschichte doch lediglich an der Oberfläche gekratzt zu haben, Mirella bleibt fremd, bleibt ein Mysterium und ich frage mich, an welcher Stelle mich die Geschichte verloren hat oder ob der Versuch der Verständnis von Anfang an zum Scheitern verurteilt war und bleibe mit dem Gefühl zurück, irgendwas verpasst zu haben, und gleichzeitig mit der Erleichterung, das fast alptraumhafte Restaurant in der Rue Thérèse hinter mir zu lassen.

Glueck a la carteAlles in allem nicht meins. Ich würde zwar behaupten, dass die Autorin ihr Handwerk wirklich ausgesprochen gut beherrscht, aber die Geschichte war einfach nicht das, was ich hinter dem rosa-himmelblauen Pastellcover erwartet hätte und hat mich unangenehm überrumpelt. Da sich die Geschichte aber wirklich sehr schnell lesen lässt, werde ich vielleicht irgendwann noch einen Versuch wagen, denn einen gewissen Zauber hatte die Sache ja schon.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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