Rezension zu Das Geschenk der Wölfe von Anne Rice

Anne Rice - Das Geschenk der WölfeLovelyBooks - In dein Regal stellenAnne Rice – Das Geschenk der Wölfe
 
Originaltitel: The Wolf Gift
Verlag: Rowohlt Polaris
Format: Taschenbuch
Seiten: 656
ISBN: 978-3499238604
 
 

[mygenres] Band 1 der Serie „Chronik der Werwölfe“
 
 

Interview mit einem Werwolf.

Der junge Journalist Reuben soll einen Artikel über ein altes Herrenhaus schreiben, das abgelegen auf den Klippen der nordkalifornischen Küste thront. Doch die Besichtigung endet blutig: Reuben wird von einem großen Raubtier attackiert. Seine Wunden heilen indes ungewöhnlich schnell. Bald verändert Reuben sich. Er wird zum Wolfsmann.
Bei Tag der attraktive Jungreporter, der über die furchterregende fremde Kreatur berichtet, bei Nacht eine Bestie: Reuben wird gefürchtet und gejagt. Doch das wahre Böse lauert woanders.

 
 
Meinung:
 
Dieses Buch ist eklig. Es tut mir Leid, aber das ist erstmal so das grobe Fazit, das mir nach der Lektüre von „Das Geschenk der Wölfe“ in den Sinn kommt. Ich fand Anne Rice‘ neustes Buch leider an einigen Stellen wirklich ziemlich ekelerregend und auch sonst hat es meine Erwartungen in vielerlei Hinsicht nicht erfüllen können. Und dabei waren die ehrlich gesagt gar nicht allzu hoch…

Nachdem ich als Teeny das erste Mal „Interview mit einem Vampir“ gelesen habe, habe ich mich anschließend durch so ziemlich jedes Anne-Rice-Buch gelesen, dass es in meiner damaligen Stadtbibliothek gab. Und habe dabei festgestellt, dass zwar die früheren Werke der Autorin wirklich genial sind, im weiteren Verlauf ihrer Veröffentlichungen aber immer weniger ansprechend geworden sind. Das lag vor allem daran, dass die Autorin irgendwann offenbar zu Gott gefunden hat oder etwas derartiges und das war ihren Büchern leider sehr stark anzumerken. Und wie regelmäßige Leser meines Blogs wissen, ist Religion nicht gerade eins meiner Lieblingsthemen. Nimmt das ganze dann auch noch predigenden Charakter an… Nun ja.

Jedenfalls hat das dazu geführt, dass ich seit Jahren kein Buch der Autorin mehr in der Hand hatte. Als ich dann aber die Chance hatte vom Verlag ein Exemplar dieses neuen Buchs, in dem es nicht mehr um Vampire sondern um Werwölfe geht, zu bekommen, dachte ich mir, ich gebe dem ganz einfach mal eine Chance, denn eigentlich klingt das doch wirklich interessant, oder nicht? Tja, denkste… Hier jetzt im Detail was genau an diesem Buch für mich schief gelaufen ist:

1. Der Erzähl- und Schreibstil. Ja, der Stil der Autorin ist nicht immer einfach, aber hier ist er bestenfalls hölzern und ziemlich abgehackt, ein wirklicher Lesefluss kommt hier leider nicht zustande. Das hat mich beim Lesen immer und immer wieder stocken lassen. Noch unangenehmer fand ich allerdings die Erzählperspektive. Eigentlich gibt es hier einen personalen Erzähler, es wird also in der dritten Person über Protagonist Reuben geschrieben. Allerdings wechselt das ganze immer und immer wieder zum „ich“, denn zwischendurch vergehen ganze Abschnitte, in denen Reubens Gedanken direkt wieder gegeben werden, also etwa auf „stream of consciousness“-Art. Diese inkonsistente Erzählweise ist auf Dauer einfach ungemein nervig gewesen.

2. Die massigen Aus- und Abschweifungen. Ganz ehrlich, ich liebe detailreiche Schilderungen, solange sie dazu beitragen, dass die Geschichte lebendiger wird. Aber ich muss nicht absolut alles bis ins kleinste Detail vorgekaut bekommen, das schränkt mich beim Lesen dann doch eher ein. Und hier ergeht sich die Autorin wirklich ständig in völlig unnötigen Schilderungen irgendwelcher Banalitäten. Zwar gibt es auch detailreiche Beschreibungen interessanter und relevanter Teile, aber vor allem gab es hier verdammt viel überflüssiges Geschwafel.

3. Die allgemeine Realitätsferne. Eins der Dinge, die mich früheren Büchern der Autorin so begeistert haben, war die ‚Authentizität‘ ihrer Welt, die immer so nah an der Realität war, dass es ein leichtes war, sich vorzustellen, dass die Geschichten Wirklichkeit sein könnten. Das hat bei dieser Geschichte einfach völlig gefehlt. Allein die Art wie sich die Figuren hier kleiden und wie sie reden, es passt einfach nicht. Es funktionierte für mich nicht, ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, was für eine Welt das sein soll, in der diese Geschichte spielt. Unsere? Irgendwie passte es einfach nicht recht.

4. Der Sex (ich trau mich gar nicht das ganze Romantik zu nennen). Reuben hat eine Freundin, aber warum sollte ihn das davon abhalten mit jedem weiblichen Wesen zu schlafen, das nicht bei drei auf den Bäumen ist? Und zwar möglichst schnell, nachdem er besagte Frau getroffen hat. Im Buch sind es zwar, wenn ich richtig mitgezählt habe, nur zwei, aber das war nervig genug. Schlimm waren dabei vor allem zwei Dinge: Zum einen Reubens anhaltendes Gestammel darüber, warum es ja okay ist seine Freundin zu betrügen (immerhin betrügt sie ihn ja auch) und zum anderen die detaillierten Beschreibungen, auf die ich wirklich nur zu gut hätte verzichten können. Vor allem wenn er Sex in seiner Wolfsform hat. Ich meine, muss das wirklich sein? Ich kam mir dann stellenweise doch vor wie in einem billigen Erotikroman.

5. Last but not least: Reuben! Ja, auch der Protagonist hat mich in den Wahnsinn getrieben und zwar auf definitiv alles andere als gute Art und Weise. Er war mir wahnsinnig unsympathisch, irgendwie passte an ihm einfach gar nichts. Ja, er ist der Abkömmling einer reichen Familie, führte ein mehr als einfaches Leben, etc. pp., aber muss er deshalb so dermaßen blassiert und oberflächlich sein? Das schlimme daran war, dass er sich nicht nur oberflächlich verhalten hat, er war es auch, denn als Charakter fehlte ihm einfach jegliche Tiefe. Und er strotzt nur so vor negativen Charakterzügen. Er ist nicht nur offenbar ein notorischer Betrüger, er ist auch egozentrisch und ohne Ende naiv.

Tja… So viel zu dem, was mir besonders negativ aufgefallen ist. Zum, nun ja, Ausgleich hier jetzt das was mir besonders positiv aufgefallen ist:

1. Die Werwolf/Wolfsmann Sache. Ich fand es wahnsinnig interessant und spannend, wie die Autorin nicht nur die Verwandlung selbst sondern auch Rubens erwachsende Fähigkeiten, seine geschärften Sinne, beschrieben hat. Das war eine der wenigen Stellen, an denen mich ihre wort- und detailreichen Beschreibungen wirklich begeistert haben, denn dadurch wird das gesamte Konzept, mit dem die Autorin dieses altbekannte Thema hier neu umsetzt, sehr greifbar und faszinierend. Definitiv ein dicker Pluspunkt, unglücklicherweise allerdings auch der einzige.

Wie der obigen Aufstellung vermutlich nicht allzu schwer zu entnehmen ist, hat mich „Das Geschenk der Wölfe“ von Anne Rice wirklich bitter enttäuscht. Ich konnte nichts, aber auch gar nichts mit dem Buch anfangen und egal wie spannend ich die Wolfsthematik fand, es hat nicht allzu lange gedauert, bis mich die Geschichte einfach nur noch gelangweilt hat. Mein Fall war es also eindeutig nicht, aber wie jedes Buch wird sicherlich auch dieses einige Leser begeistern können 😉
 
 


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Mit herzlichem Dank an den Rowohlt Polaris Verlag, der so freundlich war, mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen
rowohlt polaris
 
 
1 Stern - Schlecht

 
 
Die Autorin
 
Anne O‘Brien Rice wurde 1941 in New Orleans geboren. Berühmt wurde sie vor allem mit ihrer zehnbändigen «Chronik der Vampire» (OT: «The Vampire Chronicles»); der erste Band, «Interview mit einem Vampir», wurde mit Brad Pitt und Tom Cruise verfilmt. Anne Rice hat insgesamt 27 Bücher geschrieben, die sich über 100 Millionen Mal verkauft haben. Sie lebt in der Nähe von Palm Springs.
 
 

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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