Rezension zu Die Sache mit meiner Schwester von Anne Hertz

„Die Sache mit meiner Schwester“ der beiden Autorinnen, die sich hinter dem Pseudonym Anne Hertz verbergen, ist ein schöner, locker-leichter Sommerroman, der trotz des ernsten Kernthemas immer humorvoll und unterhaltsam bleibt. Nur das Ende, das fand ich ziemlich unbefriedigend.

Im Zentrum der Geschichte stehen die Schwestern Heike und Nele, die als „Sanne Gold“ Bestseller-Romane schreiben. Wobei Heike 90% des Buchs im Koma verbringt und damit, außer durch Auszüge aus alten Tagebüchern, überhaupt nicht zu Wort kommt. Da das Thema des Buchs aber der Konflikt zwischen den Schwestern ist, wirkt das Ganze, vor allem rückblickend, sehr einseitig, gerade da auch eine finale Konfronation, die zur Auflösung des Konflikts führt, am Ende des Buchs ausbleibt, bzw. nur „hinter den Kulissen“ stattfindet.

Allerdings ist das tatsächlich ein Punkt, der mir erst rückblickend negativ aufgefallen ist. Denn während des Lesens selbst hat mich die einseitige Perspektive überhaupt nicht gestört. Während mir Nele von Anfang an sympathisch war, konnte ich mit Heike nicht wirklich etwas anfangen und ihre Tagebuchauszüge, von denen die Geschichte durchzogen wird, haben mir voll und ganz gereicht, mehr wollte ich eigentlich gar nicht aus ihrer Sicht lesen.

Nele hingegen, mit ihrer großen Klappe, dem bissigen Humor und ihrer ziemlich chaotischen Art, war für mich eine tolle Protagonistin und der locker-leichte Schreibstil der Autorinnen sorgt dafür, dass ihre Art voll und ganz zur Geltung kommt und sie einen in ihre Geschichte hineinzieht. Ich habe „Die Sache mit meiner Schwester“ in einem Rutsch durchgelesen, weil Protagonistin und Schreibstil einfach zueinander passen, das Ganze ist dadurch total flüssig zu lesen.

Die anderen Figuren waren mir, genau wie die Schwestern, gemischt sympathisch. So fand ich Heikes Kinder zwar toll, aber sie kamen mir irgendwie zu kurz. Mit der Mutter der Schwestern wusste ich zugegebener Maßen nicht wirklich etwas anzufangen und die Männer, die hier eine Rolle spielen? Oh weh… Zugegeben, Matthias ist wirklich in Ordnung, Oliver mausert sich ja dann doch zu einem halbwegs kompetenten Vater, aber Niklas? Der ist einfach nur ein absoluter Vollidiot, der für meinen Geschmack viel zu viel Raum in der Geschichte eingenommen hat.

Dass die Handlung keine größeren Logikfehler aufweist, trägt natürlich auch nicht unerheblich dazu bei, dass sich das Buch so gut lesen lässt. Abgesehen von ein paar Namensdrehern, die sich durchs Lektorat geschummelt haben, sind mir zumindest keine Fehler in der Handlung aufgefallen. Allerdings ist die Handlung auch nicht wirklich die anspruchvollste sondern doch stellenweise relativ klischeehaft, etwas, was mich während des Lesens nicht weiter gestört hat, denn etwas anderes habe ich auch nicht erwartet, im Epilog aber auf die Spitze getrieben wird, etwas, was sich die Autorinnen auch hätten sparen können.

Überhaupt war ich mit dem Ende, wie bereits gesagt, so gar nicht zufrieden. Das Ende ist plötzlich und abrupt und auch wenn die Stelle logisch und nicht ganz unerwartet gewählt ist, hätte ich mir einen runderen Abschluss gewünscht. So bleibt vielen ungeklärt bzw. läuft unbeschrieben im Hintergrund ab und der Leser erhält eine Art abschließenden „Info-Dump“ in Form eines letzten Tagebucheintrags und eines ziemlich unnötigen, da wahnsinnig kitschigen, Epilogs.

Trotzdem hat mir Anne Hertz‘ neuster Roman „Die Sache mit meiner Schwester“ sehr gut gefallen, der Roman ist nicht unbedingt der tiefgängigste, dafür aber ein locker-leichter Lesespaß mit sympathischer Protagonistin und ganz passabler Handlung, deren Ende meine Begeisterung rückblickend leider doch etwas gedämpft hat. Nichtsdestotrotz eine Empfehlung für alle Fans humorvoller, leichtgängiger Chick-Lit 😉

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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