Rezension zu Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt von Andrea Schacht

Meine Meinung zum Buch in drei zentralen Punkten:

1. Das größte Plus: Die Liebesgeschichte zwischen Kyria und Reb, die so unglaublich unschnulzig ist, dass sie selbst mich restlos überzeugen und begeistern konnte.

2. Das größte Minus: Der Titel ist in meinen Augen nicht unbedingt gut gewählt. Der Name der Serie erinnert mich sehr an „Cassia & Ky“ von Ally Condie und der Buchtitel selbst „Bis ans Ende der Welt“ weckt bei mir eher negative Assoziationen zu den Twilight-Romanen. Beides sorgt bei mir für eher ungewollte und auch nicht unbedingt positive Erwartungen gegenüber dem Buch und das finde ich wirklich schade.

3. Mein größter Wunsch für den zweiten Band: Eine Karte! Ja, ich hatte Erdkunde als Abiturfach, aber das heißt noch lange nicht, dass ich auch nur den blassesten Schimmer von Frankreich habe und jede Stadt erst auf einer Karte suchen zu müssen, um zu wissen, wo genau die Handlung spielt, fand ich etwas schade. Also bitte eine Karte, die vor allem auch den Grenzverlauf der Reservate zeigt.

Was ich sonst noch zu dem Buch zu sagen habe? Nun, ich hatte leider immer wieder Schwierigkeiten mit dem Stil von Andrea Schacht. Das hat sich besonders in den Dialogen gezeigt, gerade wenn mehr als zwei Personen beteiligt waren, hatte ich stellenweise Probleme dem Gespräch zu folgen. Auch Rebs ewige Drei-Wort-Sätze haben zwar zu ihm gepasst, waren jedoch irgendwann etwas nervtötend. Dazu kamen die einen oder anderen für mich nicht immer ganz einfach zu durchschauenden Begriffe, ansonsten bin ich – wenn man bedenkt, was für Probleme ich für gewöhnlich mit deutschen Autoren habe – erstaunlich gut mit Andrea Schachts Stil klargekommen.

Und der Stil ist ja schließlich auch nicht alles. Solche Dinge wie die Weltenaufbau, Charaktere und Handlung müssen schließlich auch stimmen, damit ein Buch gut ist. Und das tun sie hier. Besonders faszinierend fand ich, dass der Beginn von Schachts Dystopie nicht im 21. Jahrhundert liegt, sondern hier bereits 1975 der große Einschnitt kam, der aus der Welt, wie sie damals war, eine ganz neue gemacht hat: Nachdem ein zur Herstellung biologischer Waffen gedachter Virus versehentlich große Teile der europäischen Bevölkerung ausgerottet hat, ist NuYu – New Europe – entstanden, eine technologisch hochentwickelte Gesellschaft, in der die Frauen das Zepter in der Hand haben und der ideale Mann gutmütig und unterwürfig ist und eine nicht geringe Menge schwabbelnden Fetts aufweisen kann.

Schön fand ich auch, dass es hier nicht wie so oft in dystopischen Romanen eine strikte Trennung zwischen der zivilisierten und unzivilisierten Welt gibt, sondern die Grenzen, wenn auch nicht fließend, trotzdem durchaus durchlässig sind. Das gibt der ganzen Geschichte eine ganz neue Seite, die viele neue Möglichkeiten eröffnet, die Schacht auch gekonnt nutzt und ausbaut.

Auch die Charaktere haben mich in ihren Bann gezogen. Sowohl Kyria als auch Reb und all die vielen anderen Charaktere, die den beiden im Laufe des Buchs begegnen sind so facettenreich und so realistisch, dass ich mich an ihrer Seite unglaublich gut in der Geschichte verlieren konnte. Sie haben so unglaublich viel Leben in die an sich schon faszinierende und fesselnde Handlung der Geschichte gebracht, dass ich das Buch überhaupt nicht zur Seite legen konnte und in einem Rutsch von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen habe.

Gemeinerweise lässt Schacht aber zum Ende des Buchs hin so unglaubliche viele Fragen offen, dass ich gar nicht weiß, wie ich die Zeit bis zum zweiten Band überleben soll…

Fazit:

Ein grandioses Buch, das zwar einige sprachliche Holprigkeiten aufweist, dafür aber umso mehr durch seine faszinierende Handlung und die einmaligen Charaktere besticht. Ein absolutes Muss für alle Dystopie-Fans.

Das Cover:

Das Cover wirkt so schön und idyllisch… Einerseits passt es zu einigen Seiten das Buchs sehr gut, andererseits gibt es auch wieder Passagen, zu denen es so gar nicht passt.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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4 Kommentare zu “Rezension zu Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt von Andrea Schacht”

  1. Jetzt bin ich aber neugierig auf das Buch. Ich werde es wahrscheinlich nächste Woche lesen, auch wenn es mich schon ein wenig bekümmert, dass mich einige liebe Bloggerkollegen darauf aufmerksam gemacht haben, dass es wohl sehr an „Die Auswahl“ beschreibungstechnisch erinnert (habe das Buch aber wohl gemerkt noch nicht gelesen). Aber immerhin machst du mir ein wenig Mut, dass es mir letztendlich doch ganz gut gefallen könnte. 😀

    Liebe Grüße
    animasoul

  2. Anscheinend ist es noch niemandem aufgefallen, aber der Roman heißt „Bis ans Ende der Welt“ und nicht „Bis ans Ende der Nacht“. Zwar erinnert der Titel trotzdem noch immer ein wenig an die Bis(s)-Reihe, aber immerhin nicht mehr ganz so sehr 😛

    1. Oh Gott, wie peinlich 😀
      Da hat mich der Titel so sehr an Twilight erinnert, dass ich glatt den totalen Tippfehler eingebaut habe xD
      Vielen Dank jedenfalls für den Hinweis 😉

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