Rezension zu Nachtgeboren von Alison Sinclair

Buchkritik:

„Nachtgeboren“ ist der erste Teil der Minhorne-Trilogie (Darkborn/Nachtgeboren, Lightborn/Lichtgeboren & Shadowborn/Schattengeboren). Die Trilogie spielt in einem Reich, dass vollkommen zwiegespalten ist: Denn die eine Hälfte der Bevölkerung, die Nachtgeborenen, können kein Licht vertragen, während der anderen Hälfte, den Taggeborenen, die Dunkelheit zum Verhängnis wird. Diese Trennung bestand allerdings nicht immer, doch über die letzten 800 Jahre haben sich beide Volker an den Fluch, der über sie gelegt wurde, angepasst. So haben die Nachtgeborenen ihre Sehfähigkeit verloren und dafür ein Sonar (ähnlich wie Fledermäuse) entwickelt.

In der Stadt Minhorne leben beide Völker Seite an Seite oder, im Fall des nachgeborenen Arztes Balthasar Hearne und der lichtgeborenen Assassinin Floria Weiße Hand, Wand an Wand. Seit Generationen leben die beiden Familien in Freundschaft und so ist Floria auch die erste, die von der unglaublichen Entdeckung erfährt, die Balthasar und seine Schwester machen, als sie die Zwillinge der Verlobten von Balthasars verschollenem Bruder zur Welt bringen, denn die beiden Jungen besitzen die Fähigkeit zu sehen…

Während mich das erste Kapitel von „Nachtgeboren“ noch wirklich begeistert hat, muss ich leider sagen, dass dieses Gefühl nicht allzu lange angehalten hat. Denn leider ist „Nachtgeboren“ weniger ein Fantasyroman als viel mehr ein gewöhnlicher Thriller in phantastischer Location. Und das ist schade, denn die wirklich interessante und gut durchdachte Welt der Nacht- und Lichtgeborenen rückt nach den ersten Kapiteln schnell in den Hintergrund.
Auch die Charaktere haben mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Während Balthasar Hearne noch durch und durch sympathisch ist und auch der nachtgeborene Ishmael Baron Sturmheller ist ein durchaus interessanter Charakter. Mein Lieblingscharakter allerdings war Floria Weiße Hand, die in krassem Gegensatz zu Balthasars Frau Telmaine steht. Die beiden verkörpern praktisch die Unterschiede zwischen Nacht- und Lichtgeborenen. Denn während bei den Lichtgebornenen Männern und Frauen gleichgestellt sind und Magie gefördert wird, ist diese bei Nachtgeborenen verpönt und die Frauen sind kaum mehr als Schmuckstücke an der Seite ihrer Männer. Und Telmaine ist gefangen in ihrem auf Dauer doch sehr nervtötenden inneren Konflikt, zwischen den steifen Regeln des Hofs der Nachtgeborenen und ihrem großen Geheimnis.

Dadurch, dass der Fantasy-Aspekt im Laufe des Buchs fast gänzlich in den Hintergrund rückt, hat mich das Buch leider nicht überzeugen können. Dazu kommt noch, dass Sinclairs Schreibstil zwar durchaus gut ist, die Geschichte aber leider in meinen Augen etwas trocken rüber kam, da es kaum positive emotionale Szenen gab und die zwischenmenschlichen Beziehungen, gerade zwischen dem Ehepaar Hearne, stellenweise sehr flach und leer wirkten.
Da mich aber zumindest der Anfang des Buchs sehr neugierig gemacht hat, werde ich auch den zweiten Band lesen, in der Hoffnung, dass dieser dann weniger Thriller und mehr Fantasy ist.

Fazit:

Nicht mein Ding, aber für Leser, die sowohl Thriller als auch Fantasy-Romane mögen ohne viel Romantik oder ähnliches auskommen, bestimmt einen Versuch wert.

Das Cover:

Sehr schönes Cover, das zwar die Idee des Originalcovers aufgreift, aber deutlich ansehnlicher umgesetzt ist.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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