Rezension zu Mord im Gurkenbeet von Alan Bradley

Um dieses Buch bin ich eine ganze Weile herumgeschlichen, die Serie wurde ja immer wieder mal gehypt und tauchte regelmäßig auf den Bestsellerlisten auf, aber ich war doch ziemlich skeptisch, die Rezensionen waren teils ja auch ziemlich durchwachsen. Da ich das Cover aber einfach herrlich finde, ist das Buch dann über kurz oder lang doch in meinem Regal gelandet und schlussendlich habe ich es jetzt auch gelesen. Und war nur mäßig begeistert.

Das Buch ist herrlich skurril, der Humor entspricht genau meinem Geschmack, ironisch und skurril, und Autor Alan Bradley versteht es mit ausdrucksstarker Prosa, die voller perfekt eingewebter Bilder und Metaphern und witziger Dialoge steckt, die teils ziemlich schrulligen Charaktere und das beschauliche englische Kaff Bishop’s Lacey zum Leben zu erwecken.

Auch Protagonistin und Ich-Erzählerin Flavia de Luce passt perfekt dazu. Die 11-Jährige ist so ziemlich alles, was man sich in einem Hauptcharakter vermutlich erstmal nicht wünscht: Sie ist furchtbar altklug, sieht auf alles und jeden um sich herum herab und wirkt generell einfach so als halte sie sich selbst für das größte Geschenk Gottes an die Menschheit. Und da sie eben auch die Ich-Erzählerin des Romans ist, lässt sie den Leser auch großzügig an ihren Gedanken diesbezüglich teilhaben.

Aber sie passt eben einfach in diese Welt hinein. Wäre sie das nette, niedliche Mädchen von neben an gewesen, die Atmosphäre der Geschichte hätte definitiv deutlich darunter gelitten. So aber habe ich zwar eine Weile gebraucht, um mit ihr warm zu werden, schlussendlich hat sie sich allerdings eben doch als die perfekte Protagonistin für diese Geschichte herausgestellt, denn gerade ihr, entsprechend ihres Alters und ihrer Einstellung, eben doch oftmals ziemlich verzerrter Blickwinkel auf die Menschen um sie herum erzeugt diesen skurrilen Humor, der mir an diesem Buch so gut gefallen hat. (Und nein, von britischem Humor kann man hier nicht wirklich sprechen, immerhin ist Autor Alan Bradley auch kein Brite sondern Kanadier.)

Allerdings ist es eben leider doch ein Krimi. Ganz egal wie faszinierend ich Bradleys Schreibstil fand, ganz egal wie sehr mir Flavia nach einer Weile ans Herz gewachsen ist und ganz egal auf welche humorvoll intelligente Art und Weise sie hier ermittelt, es ist ein Krimi und ich bin einfach kein Krimimensch, wie ich hier erneut feststellen musste. Irgendwann habe ich einfach das Interesse daran verloren, Flavia bei ihren Schlussfolgerungen und Ermittlungen zu folgen und habe dadurch in der Mitte des Buchs einige Kapitel nur noch quer gelesen.

Alles in allem fand ich das Buch eigentlich wirklich spannend, musste aber feststellen, dass es leider nicht zu den wenigen Kriminalromanen gehört, die mich durchgehend fesseln können. Wer aber auf skurrile All-Age-Geschichten mit viel Ironie und düsterem Humor und Charakteren, die alles andere als 08/15 sind, steht und außerdem auch kein Problem mit Krimis hat, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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