[Reading in English] Rezension zu von Sandhya Menon

„When Dimple met Rishi“ von Sandhya Menon ist… ugh, es ist eins dieser Bücher, die mir beim Lesen eigentlich sehr gut gefallen haben: Der Schreibstil ist zwar nichts besonders großartig, lässt sich aber ganz gut lesen und ist halt irgendwie auch einfach lustige, fluffig-romantische Unterhaltung. Nur irgendwie dann eben auch doch nicht, wenn man nach dem Lesen mal so drüber nachdenkt. Dann wird die Geschichte nämlich direkt auf mehreren Ebenen problematisch.

Mein Problem war Dimple. Okay, sie fühlt sich von den Traditionen und Regeln ihrer Familie eingeschränkt, hat das Gefühl, dass gerade ihre Mutter ihren Wert nur darin sieht, den idealen indischen Ehemann zu finden, nicht aber in Dimples Intelligenz und ihren akademischen Errungenschaften. Dass ihr das nicht recht ist und das Gefühl hat, dass ihre Eltern sie einfach nicht verstehen, macht Sinn. Dass sie deswegen so dermaßen unfreundlich, gemein und verurteilend gegenüber allem und jedem ist, macht hingegen absolut keinen Sinn. Besonders ätzend fand ich ihren Umgang mit Rishi, den sie wiederholt boxt/schlägt/whatever und das obwohl er sie bittet aufzuhören. Aber weil Dimple ein Mädchen ist und das ja eh nur aus Spaß macht, ist es okay, dass sie ihm weh tut?

She really did love her family, so much, but being at home was starting to feel like wearing an iron corset, painful and breathless and pinchy in all the wrong places.

When Dimple met Rishi von Sandhya Menon

Dimples Charakter ist sowieso etwas seltsam? Anfangs ist sie dieses selbstbewusste Mädchen, dass weiß, was sie möchte und ihren Eltern versucht das zu vermitteln und für sich einzustehen, etc. pp. Soweit, so gut, sie will halt mehr vom Leben als das, was ihre Eltern gerne hätten, ist ja okay, aber das macht sie nicht zu diesem besonderen, absolut einzigartigen Wesen, als das sie dann beschrieben wird. Denn Dimple ist oh so special! Weil sie kein Make-Up trägt (wie gefühlt dreimal pro Seite betont wird), weil sie ein Nerd ist, weil sie nicht nur Tochter und Ehefrau sein will, weil, weil, weil. Sowas nervt. Sowas macht mir eine Protagonistin auch nicht sympathisch, im Gegenteil, wenn man alle fünf Zeilen die Specialness betonen muss, ist das meist ein Zeichen dafür, dass hinter der „most unique girl in the world“-Fassade sonst wenig steckt. Und so ist es auch bei Dimple und das meine ich mit „etwas seltsam“ – denn Dimpels Charakter ist nicht beständig, nicht gleichbleibend, sondern mal so, mal so und abgesehen vom vielversprechenden Anfang, bei dem sie mir noch ausgesprochen sympathisch erschien, ist sie eben genau das meistens nicht: sympathisch.

Dass sie die Freunde ihrer Mitbewohnerin von Anfang an so rundheraus ablehnt, weil sie reich sind… Okay, sie verhalten sich auch schrecklich, aber Dimple verhält sich nicht wirklich weniger unsympathisch im Umgang mit ihnen. Und die Art, wie diese Kids quasi als „das Böse“ dargestellt werden, war auch nicht so wahnsinnig elegant. Allerdings sind Dimple und Rishi ja generell besser als alle anderen. Dimple sowieso, aber auch Rishi verhält sich, gerade wenn er mit ihr zusammen ist, oft schrecklich – im Umgang mit den schon erwähnten reichen Kids, im Gespräch über Studentenverbindungen… Warum? Sympathisch macht sie das nicht und ich hätte wirklich gut darauf verzichten können, es bringt die Geschichte eigentlich auch nicht weiter.

Nicht dass der Plot nicht sowieso irgendwie zweitrangig gewesen wäre? Ich meine, es geht darum, dass Dimple sich beweisen will, zeigen will, dass sie mehr sein kann, als die „dutiful Indian daughter“, die sie nach Meinung ihrer Eltern sein sollte, und das tut sie, indem sie an der prestigeträchtigen Insomnia-Con teilnimmt, einem sechswöchigen Event, bei dem es darum geht in Paaren Apps zu entwickeln, von denen die Beste nachher auf den Markt gebracht wird – in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit Dimples großem Idol! Man sollte also meinen, dass Dimple und Rishi merklich viel Zeit in ihre App investieren, vor allem, weil diese Dimple sowieso am Herzen liegt, etc. pp. Tja, irgendwie ist das aber nicht so. Klar, es gibt die eine oder andere Planungssession, aber ganz ehrlich? Die beiden scheinen mehr Zeit mit ihrer Tanzroutine für diese strange Talentshow zu verbringen als mit ihrer App…

Rishi knew from watching his parents that what mattered were compatibility and stability. He didn’t want a million dramatic, heart-stoppingly romantic moments—he wanted just one long, sustainable partnership.

When Dimple met Rishi von Sandhya Menon

Sorry, aber auch wenn es mir beim Lesen eigentlich ganz gut gefallen hat, konnte mich „When Dimple met Rishi“ von Sandhya Menon rückblickend dann doch wirklich nicht überzeugen. Rishi ist ja noch ganz okay – auch wenn seine einseitige InstaLove etwas irritierend ist -, aber Dimple? Die ist leider eine dieser Frauenfiguren, die hauptsächlich dadurch glänzen, dass alle anderen schlechter sind und das, obwohl sie mir auf den ersten 20 (?) Seiten eigentlich sehr gut gefallen hat. Dazu kommt der Plot, der relativ schnell in der Romanze versumpft, statt sich mit dem Thema zu beschäftigen, dass ich erwartet hätte: Mädels in MINT-Fächern. Alles in allem gibt es von mir daher leider auch nicht mehr als zwei (okay, vielleicht zweieinhalb) Sterne für dieses Buch. Lustig, wenn man es mal eben so zwischenher liest, aber wenn man dann doch genauer drüber nachdenkt? Für mich haben sich rückblickend einfach viel zu viele Kritikpunkte aufgetan, die ich beim Lesen noch irgendwie verdrängen konnte.

Für Fans von…

  • Contemporary Romances
  • Fluff und Cheese
  • Bitchy Protagonists

Was andere Blogger sagen:

Habt ihr das Buch gelesen und rezensiert? Dann lasst mir doch einen Kommentar da und ich verlinke eure Rezension hier 😊

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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