[Reading in English] Rezension zu Uprooted von Naomi Novik

Warum habe ich dieses Buch eigentlich nicht schon viel früher gelesen? Ach ja, weil Naomi Noviks „Uprooted“ bei Goodreads als Young Adult getaggt ist und ich ja eigentlich den festen Vorsatz hatte, keine YA-Fantasy mehr zu kaufen… Dass als nächstes Tag dann direkt „Adult Fiction“ auftaucht, habe ich gekonnt übersehen und „Uprooted“ direkt als potentiellen Kandidaten für die Kategorie „So viel Kitsch, dass die Fantasy verloren geht“ abgestempelt. Irgendwie wollte mich das Buch aber nicht loslassen und eigentlich klang die Inhaltsangabe auch so toll und die Bücher, die ich bereits von der Autorin gelesen habe, waren so gut, dass ich es mir dann schlussendlich doch gekauft habe – erst als eBook und dann, weil es einfach zu großartig ist, um es nicht im Regal stehen zu haben, noch als Hardcover.

Die Inspiration für ihren neusten Roman hat Naomi Novik aus osteuropäischen Volkserzählungen und Märchen geschöpft und das merkt man der Geschichte auch an – sie hat etwas Magisches, etwas Zauber- und Märchenhaftes, allerdings auch inklusive all der düsteren, grausamen Seiten, mit denen die meisten Märchen daher kommen. Das bezieht sich sowohl auf die Handlung, in der es mitunter recht blutig zugeht, aber auch auf die Charaktere, die alle ihre Schattenseiten haben, manche mehr, andere weniger, aber durch und durch gut ist keiner von ihnen, sie alle sind menschlich, mit all den fiesen kleinen Ecken und Kanten und bösen Gedanken. die dazu gehören.

Im Zentrum der Geschichte stehen natürlich die junge Agnieszka. Und dann ist da noch Kasia, Agnieszkas beste Freundin und das Mädchen, bei dem sich alle im Dorf, nein alle im Tal, sicher sind, dass diesmal sie es sein wird, die der Drache zu sich holt und für zehn Jahre in seinem Turm gefangen hält – der Preis, den die Menschen im Tal dafür zahlen müssen, dass der Drache sie vor dem Wald beschützt. Während der Drache ein Mensch ist, ist der Wald tatsächlich ein Wald, aber nichtsdestotrotz eine der wichtigsten Figuren in dieser Geschichte. Zwischen Agnieszka und dem Drachen entsteht schnell eine Dynamik, die vor allem von anfänglichen Missverständnissen und fehlender Kommunikation geprägt ist. Und der Wald, der Wald ist sowieso eine Sache für sich und meiner Meinung nach ein durch und durch gelungener „Charakter“.

Die Beziehung zwischen Agnieszka und dem Drachen/Sarkan: Ja, ich stimme durchaus dem in vielen negativeren Rezensionen bemängelten Charakter dieser Beziehung zu, die alles andere als positiv startet, finde aber nicht, dass man sie als mutwillig missbräuchlich beschreiben kann. Ehrlich gesagt, finde ich sie sogar eigentlich sehr nachvollziehbar, sie basiert halt auf Sarkans völliger sozialer Unfähigkeit und seinem Unwillen, sich plötzlich mit einer Schülerin auseinandersetzten zu müssen, statt sich einfach nur, wie eigentlich erwartet, eine neue ‚Haushälterin/Gesellschafterin‘ zuzulegen. Okay, die Entwicklung hätte nicht zwingend in die Richtung gehen müssen, in die sie gegangen ist, aber das hat mich beim Lesen eigentlich nicht gestört.

Agnieszka und das „Special Snowflake Syndrom“: Das ist mir tatsächlich kaum als solches aufgefallen, nicht zuletzt deshalb, weil Kasia ja eigentlich als die so verdammt Perfekte geschildert wird. Und auch sonst ist mir Agnieszka nicht als unangenehm „besonders“ aufgefallen. Ja, sie ist anders, aber trotzdem in vielen Aspekten meiner Wahrnehmung nach auch so durchschnittlich und normal, dass sie mich als Charakter wirklich überzeugen konnte. Und apropos Kasia: Oh, wie sehr ich mir wünsche, dass Naoimi Novik eine Serie aus diesem Buch macht und zwar eine dieser losen Serien, die zwar alle in der gleichen Welt spielen, sich aber immer mit anderen Hauptfiguren auseinandersetzen – im nächsten Band stünde dann Kasia im Mittelpunkt… Hach ja, man wird ja noch träumen dürfen!

UprootedAlles in allem ist „Uprooted“ von Naomi Novik ein Roman über Macht und Magie, Freundschaft und Familie, übers Wurzeln schlagen und entwurzelt werden, eine Mischung aus Fantasy und osteuropäischen Märchen, die zwar nicht perfekt ist, beim Lesen aber doch eindeutig so gewirkt hat 😉 Für mich definitiv eins der wenn nicht sogar das Highlight des ersten Viertels des Lesejahrs 2016!

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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