[Reading in English] Rezension zu Fragile von Eve Francis

Mit diesem Roman habe ich mich wirklich schwer getan. Eve Francis‘ „Fragile“ ist die Geschichte von Carly, die mit Mitte 20 nach einem Bachelorstudium völlig planlos wieder zuhause eingezogen ist, und Ashley, die auf Grund von unerklärlichen Anfällen ihre Selbstständigkeit in fast jeder Hinsicht verloren hat.

Carly ist… nun ja, sie ist wirklich planlos. Nachdem sie ihren Bachelor in Englisch gemacht hat, weiß sie überhaupt nichts mit ihrem Leben anzufangen und zieht wieder bei ihrer Mutter und ihrer jüngeren Halbschwester ein. Sie nimmt einen mies bezahlten Job in einem Kaufhaus an und tut eigentlich nicht wirklich etwas, außer sich bei ihrem besten Freund über den fehlenden Sinn in ihrem Leben zu beschweren und vor ihrer Mutter zu kuschen. Beides habe ich relativ schnell als furchtbar nervig empfunden, denn ich konnte einfach nicht so richtig nachvollziehen, wieso Carly nicht zumindest versucht etwas aus ihrem Leben zu machen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie sich tatsächlich Gedanken darüber macht, wie es besser werden könnte, sondern einfach nur darüber jammert, wie blöd es ist und das fand ich alles andere als sympathisch.

Ashley hingegen wusste eigentlich genau was sie wollte und war auf dem besten Weg ihre Ziele auch zu verwirklichen, als ihr die Gesundheit plötzlich einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Anfälle, für die bislang kein Arzt einen erkennbaren Grund finden konnte, haben sie ihren Job gekostet, ihren Führerschein und überhaupt ihre Selbstständigkeit. Sie lebt bei ihrem Vater, weil es zu gefährlich für sie ist, alleine zu leben und arbeitet im Kaufhaus, weil sie einfach keinen anderen Job findet. Mir war sie deutlich sympathischer als Carly, weil sie sich einfach ganz anders mit ihrer eigentlich auf den ersten Blick ja viel aussichtsloseren Situation auseinander setzt. Und außerdem ist sie nicht so ein schrecklicher Literatursnob – Carly ist nämlich der Ansicht, dass es unter ihrer Würde als Englisch-Bachelor ist irgendetwas außer den großen Klassikern oder sonst wie „würdiger“ Literatur zu lesen.

Dadurch, dass die Geschichte aus Carlys Sicht erzählt ist, hatte ich leider so meine Probleme damit. „Fragile“ ist per se nicht schlecht geschrieben, aber auch wenn ich Ashley ganz sympathisch fand und mich auch Carlys kleine Schwester Cynthia immer mal wieder begeistern konnte, insgesamt haben mich die Charaktere einfach kalt gelassen. Und das ist zwar immer eher ungünstig, bei einer Geschichte wie dieser, in der die Charaktere mit ihrer Gefühlswelt und ihren Entwicklungen ganz klar im Vordergrund stehen und der Plot eher dünn ist, ist es allerdings verheerend.

Alles in allem war Eve Francis‘ „Fragile“ einfach nicht mein Ding. Die Protagonistin konnte mich nicht für sich begeistern und dadurch wurde die gesamte Geschichte denkbar uninteressant für mich. Schade, denn es gab durchaus einige gute Szenen und Schreibstil und Handlung an sich sind alles andere als schlecht. Ich werde daher definitiv weiter die Augen nach neuen Romanen von Eve Francis offen halten, auch wenn dieser erste leider nicht meins war.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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