[Reading in English] Rezension zu A Thousand Nights von E.K. Johnston

E.K. Johnstons „A Thousand Nights“ kann ja schon optisch wirklich überzeugen. Unter dem lila Umschlag mit den Goldapplikationen und dem Cut-Out in der Pfauenfeder versteckt sich ein knallpinkes Hardcover mit verschnörkelten goldenen Silhouetten, die zwei Figuren (deren Gesichter man im Cut-Out sieht) darstellen, wobei sich aus Haaren und Kleidung der Frau auf der Rückseite des Buchs Wüstenszenerien erheben, was einfach super zum Inhalt des Buchs passt.

Und inhaltlich ist der Roman meiner Meinung nach ein echtes Schätzchen. Eine namenlose Ich-Erzählerin berichtet davon, wie sie sich selbst opfert, um ihre Schwester davon zu schützen, zur nächsten Frau von Lo-Melkhinn zu werden. Denn dieser nimmt sich eine Frau nach der anderen, immer wieder wählt er ein Mädchen aus der Stadt um seinen Palast und den umliegenden Zeltsiedlungen, heiratet sie und kurz darauf ist sie tot. Als die Siedlung ihres Vaters wieder an der Reihe ist, weiß die Erzählerin ebenso wie alle anderen, dass es ihre Halbschwester sein wird, die die als Braut in den Palast ziehen wird. Das will sie nicht zulassen und tut so alles, um Lo-Melkhinns Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und ihre Schwester zu schützen – und es gelingt ihr und sie verlässt ihre Familie in dem sicheren Wissen, ihrem eigenen Tod entgegen zu reiten.

Doch die erste Nacht vergeht und sie wacht in ihrer Kammer im Palast auf, umgeben von Reichtum und Schönheit und einer unterschwelligen Düsternis und Grausamkeit, die in den dunklen Ecken und toten Augen der Gartenstatuen lauert. Und Nacht für Nacht kommt Lo-Melkhinn in ihre Gemächer und lauscht ihren Geschichten und sie bleibt am Leben. Kommt euch bekannt vor? Ja, „A Thousand Nights“ ist eine Adaption von 1001 Nacht, allerdings eine meiner Meinung nach ganz besonders gelungene, die nicht etwa versucht etwas zu erzählen, das 1001 Nacht nachempfunden ist, sondern stattdessen der heute so bekannten orientalischen Geschichtensammlung einen magisch-mystischen Ursprung gibt. Denn wer weiß, vielleicht ist die namenlose Heldin ja Scheherazade selbst?

Durch die fehlenden Namen, die beim Lesen übrigens überhaupt nicht stören, erhält die ganze Geschichte eine gewisse Vagheit und der Aspekt der Ahnenverehrung, der eine wichtige Rolle spielt, die Macht, die Glaube und Hoffnung haben können, kreieren eine Art Mystik, die sich über die Geschichte legt und mich zumindest voll und ganz in ihren Bann ziehen konnte. Dadurch gewinnt die sonst doch größtenteils sehr ruhige und eher nachdenkliche Geschichte meiner Meinung nach etwas sehr Fesselndes, dass die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhält. Dazu kommt ein Schreibstil, der einfach hervorragend passt und mit dem es der Autorin gelingt eine Atmosphäre zu schaffen, die 1001 Nacht definitiv würdig ist und dabei etwas sehr düsteres, magisches hat.

A Thousand NightsAlles in allem ist „A Thousand Nights“ von E.K. Johnston ein wirklich großartiges Buch, das mir ausgesprochen gut gefallen hat, auch wenn es vom Erzähltempo her eher langsam und ruhig ist. Der Roman hat ein herrlich düster-magisches Orient-Feeling und die fehlenden Namen sorgen noch einmal für einen ganz besonderen Zauber und machen die Geschichte zu einer Art „Übergeschichte“, die sich ganz wundervoll in die Tradition von 1001 Nacht einfügt. Für alle Fans von 1001 Nacht definitiv eine Empfehlung wert und wer es lieber auf Deutsch lesen will, der hat Glück, die Übersetzung ist nämlich gerade bei cbt erschienen:

Rezension zu Tausend Naechte aus Sand und Feuer von Emily Kate Johnston

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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