[Reading in English] Rezension zu Openly Straight von Bill Konigsberg

„Openly Straight“ von Bill Konigsberg ist eine Geschichte übers Coming-Out, übers Dazugehören, Freundschaft und die eigene Identität. Der Protagonist dieses Romans, Rafe, ist eigentlich ‚out & proud‘, in seiner Heimatstadt Boulder weiß jeder, dass der Teenager schwul ist und keiner stört sich daran – im Gegenteil, er ist ‚der Schwule‘ der Stadt und eine Art Galionsfigur und darauf hat er keine Lust mehr. Also beschließt er kurzerhand auf ein Jungeninternat in einem anderen Staat zu wechseln und dort nicht länger ‚der Schwule‘ zu sein, sondern einfach nur einer von vielen.

Kaum kommt Rafe an seiner neuen Schule an, lernt er eine Gruppe beliebter Sportler kennen und freundet sich mit diesen Jocks an und wird einer von ihnen – etwas, was er vorher nie für möglich gehalten aber auch nie gewollt hätte. Wie es aber so ist, dauert es nicht lange bis Rafe seinen Vorsatz nicht zu lügen in den Wind schießt und Tony, dem einzigen geouteten Jungen der Schule und besten Freund seines neuen Zimmergenossens, sagt, dass er nicht schwul wäre.  Von da an verwickelt er sich immer mehr in ein Netz aus verschwiegenen Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen und muss schnell feststellen, dass nicht länger ‚der Schwule‘ zu sein, nicht bedeutet, dass ihm kein Label mehr aufgedrückt wird.

Ich fand diesen Roman sehr unterhaltsam und kurzweilig und war vor allem von den Themen, die Bill Konigsberg hier behandelt, begeistert, denn Dinge wie die Frage nach der eigenen Identiät, der Bedeutung von Toleranz und Akzeptanz und die Geschichte mit den Labeln und dem Schubladendenken werden locker in die Geschichte eingebunden und geben Anreize zum Nachdenken und zur Selbstreflexion, ohne dass man das Gefühl hat, der Autor würde einem mit erhobenem Zeigefinger etwas vorpredigen. Rafe ist dabei nicht der einzige, an dessen Beispiel diese Themen angeschnitten werden, stattdessen muss sich jeder der Charaktere auf unterschiedliche Art damit auseinadersetzen – Tobys Homosexualität wird von seinen Mitschülern zwar toleriert, aber was genau bedeutet das eigentlich? Wie fühlt sich es für Bryce an der einzige Farbige an der Schule zu sein? Und was heißt es für Ben, wenn er plötzlich mit Gefühlen für einen anderen Jungen konfrontiert wird?

Die Beziehung zwischen Rafe und Ben hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn sie entwickelt sich langsam, realistisch und nachvollziehbar und alles andere als problemfrei. Genauso gelungen fand ich die Freundschaft zwischen Rafe, seinem Zimmergenossen Albie und Toby beschrieben. Und auch Rafe selbst ist ein gelungener Charakter, der zu Beginn allerdings deutlich oberflächlicher ist, als er selbst bemerkt und auch durch seine Entscheidung weiter zu lügen nachdem er erkannt hat, in welches Schlamassel er sich reinmanövriert hat, einige Sympathiepunkte bei mir verloren hat – gleichzeitig muss ich aber sagen, dass ich seine Entscheidungen, sowohl die ursprüngliche Entscheidung seine Heimatstadt zu verlassen, um nicht länger vor allem durch seine Sexualität definiert zu werden, als auch die Entscheidung so schnell nicht mit der Wahrheit herauszurücken, absolut nachvollziehen kann – das macht sie allerdings nicht richtiger.

Insgesamt ist Bill Konigbergs „Openly Straight“ ein sehr kurzweiliger Roman, der sich auf amüsante und unterhaltsame Weise mit wichtigen Themen wie der Suche nach der eigenen Identität auseinander setzt und mich vor allem durch seine rundherum großartigen Charaktere überzeugen konnte, denn auch wenn Rafe nicht mein Favorit war, gab es einige fabelhafte Nebencharaktere, die der Geschichte zusätzliche Perspektiven und Tiefe verliehen haben. Eine klare Empfehlung für diesen Roman! Ob es mir gefällt, dass es noch einen zweiten Teil geben wird, weiß ich allerdings nicht, denn eigentlich fand ich das Ende gut so wie es war – gerade weil es nicht 08/15 war…

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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