[Reading in English] Rezension zu Just My Luck von Andrea Bramhall

Ich war erstmal etwas skeptisch was „Just My Luck“ von Andrea Bramhall angeht, denn eigentlich bin ich kein Fan von Romanzen mit großem Altersunterschied. Aber die Leseprobe hat mich direkt so in den Bann der Geschichte gezogen, dass ich den Roman dann doch gelesen habe – und zwar mit großer Begeisterung und in einem Rutsch.

Genna ist nicht gerade ein Glückspilz. Ihr Job bietet keine Perspektiven und ihr Boss ist ein Mistkerl. Ihre Familie besteht zur Hälfte aus Nichtsnutzen und Schmarotzern. Ihr Vater ist abgehauen als sie zwei war. Ihre Freundin schläft mit einer anderen – seit Monaten. Und eigentlich ist sie eh seit Jahren unglücklich verliebt. Doch dann wendet sich ihr Glück, denn Genna gewinnt mehrere Millionen im Lotto. Aber kann ihr plötzlicher Reichtum wirklich ihre Probleme lösen oder verursacht er nur noch mehr?

Abi ist einige Jahre älter als Genna, aber sie sind beste Freundinnen seit Jahren – und heimlich verliebt ist sie in die jüngere Frau auch noch. Außerdem hat Abi eine Tochter, deren Vater Gennas Onkel ist. Chaotische Familienverhältnisse, aber mit Rosies ständig besoffenen Taugenichts von Erzeuger hat Abi eigentlich nichts mehr am Hut, stattdessen war Genna von Anfang an für ihre Cousine da. Rosie, die Trisomie 21 hat, ist für ihre Mutter Abi das Wichtigste und um ihr ein halbwegs vernünftiges Leben bieten und sie so unterstützen zu können, wie sie es verdient, arbeitet die allein erziehende Mutter hart – das Geld reicht trotzdem meist nicht so recht.

„Just My Luck“ steckt voller Humor, aber auch einer guten Portion Drama und mehr oder minder überzeugenden Traumata. Ich mochte die Protagonistinnen eigentlich sehr gerne, muss aber sagen, dass ich es doch etwas übertrieben fand, wie sehr Genna davon gezeichnet ist, dass ihr Vater sie und ihre Mutter verlassen hat – hier hat die Autorin einfach eine Spur zu dick aufgetragen, sodass es eher nervig als nachvollziehbar war. Auch die Chemie zwischen Genna und Abi konnte mich nicht restlos überzeugen, dafür fand ich aber Rosie und Gennas Mutter toll – überhaupt haben mir die Nebencharaktere sehr gut gefallen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist zu Beginn der Schreibstil, denn beide Protagonistinnen – die Perspektive wechselt zwischen ihnen – durchbrechen zwischendurch die vierte Wand und wenden sich direkt an den Leser, gerade bei Genna ist mir das anfangs häufiger aufgefallen und das nicht unbedingt positiv. Insgesamt ist der Schreibstil aber sehr angenehm zu lesen und zieht einen schnell in den Bann der Geschichte.

Alles in allem ist Andrea Bramhalls „Just My Luck“ ein wirklich unterhaltsamer Roman mit einigen sehr sympathischen Charakteren, die hier und da vielleicht etwas überzeichnet wirken, aber trotzdem faszinierend sind. Dazu kommt eine gute Portion Sozialkritik, verpackt in einer humor- und gefühlvollen Story, die mich neugierig darauf gemacht hat, was Frau Bramhall denn sonst noch so geschrieben hat.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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