Manche Dinge sollte man in Inhaltsangaben einfach nicht tun…

Erst einmal eine Warnung: Dieser Post enthält SPOILER! Die sind zwar nicht meine Schuld, aber ich dachte, ich weise trotzdem mal daraufhin…

Die Aliens – Ich, Mia, wir alle – wir sind überhaupt keine Aliens. Wir sind Zeitreisende von einer zukünftigen Erde!

Diese Sätze sind die Übersetzung eines Zitats aus „Neptune’s Tears“, dem ersten Band der „Timedance“-Serie von Susan Waggoner, der am 28.2.2014 als „Liebe braucht keinen Ort“ bei bloomoon erscheint. Hier die offizielle Inhaltsangabe des deutschen Verlags:

Es ist das Jahr 2218: Lisa ist in ihrem zweiten Ausbildungsjahr zur Empathin – einer Seherin mit heilenden Kräften -, als sie ein geheimnisvoller Fremder aus ihrem hart erarbeiteten Gleichgewicht bringt. Obwohl sie sich als Empathin nicht verlieben darf, fühlt sie sich magisch angezogen von David. Aber dann entdeckt Liza, dass David ein Zeitreisender aus der Zukunft ist, der eine Mission zu erfüllen hat und in seine Welt zurückkehren muss. Für Liza tut sich ein Abgrund auf: Soll sie David in eine Zukunft folgen, in der sie keinen Platz hat? Kann die Liebe wirklich siegen, gegen alle Regeln und wider jede Vernunft?

Man beachte bitte vor allem den zweiten Teil, in dem die Rede davon ist, dass „Lisa/Liza“ (wie gut, dass der Verlag nicht nur den Namen der Protagonistin, im Original Zee, ändert, sondern sich dann noch nicht einmal sicher ist, wie er geschrieben werden soll…) Davids Identität als Zeitreisender aufdeckt…

Solltet ihr jetzt im Zusammenhang mit dieser Inhaltsangabe das Zitat einordnen müssen, wo stünde es eurer Meinung nach im Buch? Vermutlich relativ weit vorne, nicht wahr?

Hier jetzt zum Vergleich eine ungefähre Übersetzung der englischen Originalinhaltsangabe:

London, 2218 nach Christus. Die siebzehnjährige Zee ist eine Assitenzempathin. Sie lebt für ihren Job und die große Karriere, die ihr bevorstehen könnte – bis eines Tages ein attraktiver Patient ihre hart erarbeitete Ruhe zerstört. Als Empathin kann sie sich solche Ablenkungen nicht leisten, aber sie kann sich auch nicht von David verhalten, auch als sie entdeckt, dass er einer mysteriösen Alienrasse angehört. Als London von Anarchisten mit Bomben angegriffen wird und Zee darum kämpft, ihre überdurchschnittlich starken psychischen Fähigkeiten unter Kontrolle zu bringen, fängt David an sich zurück zu ziehen. Obwohl Zee sich sicher ist, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt, hat David Geheimnisse, die er nicht offenbaren kann. Aber es ist zuspät für Zee. Sie verliert ihr Herz an den grauäugigen Alienjungen und sie ist entschlossen ihm zu folgen – egal wo sie das hinführen wird.

Ich habe die englische Inhaltsangabe erst später gelesen. Als ich mir das eBook heruntergeladen habe, kannte ich nur den deutschen Text und der klang nach einem spannenden, wenn auch kitschigen, Zeitreiseabenteuer. Meine Überraschung, als von Zeitreisen aber erstmal überhaupt keine Spur war und es stattdessen um Aliens ging, war dementsprechend groß.

Wenn man sich jetzt aber diese Inhaltsangabe anschaut, besonders den Teil über die Geheimnisse von Alien-David, und dann noch einmal das Zitat, wo würde es dann im Buch landen? Vermutlich deutlich weiter hinten, nicht wahr? Denn offensichtlich handelt es sich dabei um Davids großes Geheimnis und so wie die englische Inhaltsangabe aufgebaut ist, wird schon das eine oder andere passieren, bevor David sein Geheimnis preis gibt.

Tja… Das Zitat stammt tatsächlich aus dem letzten Kapitel, nur wenige Absätze vor Ende des Buchs.

Und was tut der deutsche Verlag? Der offenbart das große Geheimnis, auf dem im Endeffekt mindestens 50% der Spannung dieser Geschichte basiert, bereits in der Inhaltsangabe. Das sorgt zum einen dafür, dass man als Leser erst einmal völlig verwirrt ist, warum es denn jetzt um Aliens geht und man sich zwischendurch fragt, ob der Verlag hier beim Übersetzen mal eben das ganze Buch umgeschrieben hat, und zum anderen dafür, dass einem dann ganz schnell klar wird, was es mit David und Co. wirklich auf sich hat.

Ich wüsste zu gern, wer auf diese kuriose Idee gekommen ist, das mit der Zeitreise anstelle der Aliens in die deutsche Inhaltsangabe zu packen und was die Begründung dafür ist… Vielleicht sollte ich einfach mal beim Verlag nachfragen. In meinen Augen gehört das jedenfalls zu den Dingen, die man in Inhaltsangaben bitte nicht tun sollte, denn was hat die Story noch für einen Sinn, wenn man von Anfang an ihre Geheimnisse kennt?

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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