Der 69-Test zum Zweiten oder Von Liebesbriefen, Traumliedern, Holzböden und Co.

Schon vergangenen Dezember habe ich den „69-Test“ zur Auswahl meiner nächsten Lektüre – oder eher zur Erstellung einer Prioritätenliste – genutzt und nachdem ich heute das hier auf dem Küchentisch meiner Eltern vorgefunden habe, musste der Test prompt noch einmal herhalten:

Neuzugaenge 69-Test 1 Neuzugaenge 69-Test 2

 

Hier also meine Ergebnisse zum zweiten 69-Test, bei dem jeweils Seite 69 gelesen wird, um herauszufinden, wie sehr einem ein Buch zusagt. Das kursiv Gedruckte ist jeweils der erste vollständige Satz auf Seite 69 😉

Love Letters to the Dead von Ava DellairaLove Letters to the Dead von Ava Dellaira

Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie den Weg zurück ins Leben und kann einen letzten Brief an May schreiben …

„Tristan hatte zehn Taquitos gekauft, die wir uns im Auto auf dem Parkplatz geteilt haben.“

Ich  bin eigentlich überhaupt kein Fan von Briefromanen, Tagebuchromanen oder ähnlichem. Aber die Idee hinter „Love Letters to the Dead“ fand ich so faszinierend und die Art der Umsetzung so vielversprechend für die Thematik, dass ich dieses Buch jetzt unbedingt lesen will. Ganz unabhängig von dem Eindruck, den Seite 69 mir vermittelt hat (er war ziemlich neutral), steht der Debütroman von Ava Dellaira ganz oben auf meiner Leseliste.

Wo steckst du Bernadette von Maria SempleWo steckst du, Bernadette? von Maria Semple

Bernadette Fox ist chaotisch, überfordert – und ungeheuer liebenswert. Ihr Ehemann Elgie, der neue Hoffnungsträger bei Microsoft, mag ihren Witz. Und ihre verrückten Ideen. Irgendwie auch ihre Unsicherheit, wenn sie mal wieder von quälenden Ängsten heimgesucht wird. Die anderen Mütter, allesamt perfekt organisiert, halten Bernadette allerdings für eine Nervensäge. Verantwortungslos. Schließlich beschäftigt sie online eine indische Assistentin, die den Alltag für sie regelt. Zum Stundensatz von 0,75 Dollar reserviert Manjula den Tisch im Restaurant, erledigt mal eben die Bankgeschäfte und bucht den Familienurlaub in die Antarktis. Und für ihre 15jährige Tochter Bee, die kleine Streberin, ist Bernadette, na ja, eine Mutter. Bee kennt ja keine andere. Doch irgendwann beschließt Bernadette auszubrechen. Ihr wird das alles zu viel. Und auf einmal ist sie verschwunden …

„Ich beschloss, proaktiv zu sein (eins der drei Ps, die für Nie wieder Opfer die Basis interpersonellen Verhaltens bilden) und unser erstes persönliches Treffen in unseren neuen Rollen als Manager und Admin zu initiieren.“

Dieses Buch klang einfach schräg – und Seite 69 ist definitiv genau das: schräg und ziemlich verwirrend. Noch bin ich mir nicht sicher, ob es eine Art von verwirrend ist, bei der man wissen will, was dahinter steckt oder eine, die eher abschreckt… Mal schauen, auf jeden Fall hat „Wo steckst du, Bernadette?“ jetzt aber erstmal nicht die höchste Priorität.

Rezension zu Engelchen von Betty KurtzweilEngelchen von Betty Kurtzweil

Meta Sellenthin lebt seit drei Jahren mit Lilli O’Leary zusammen. Und mit Mopsa Sternheim, einst von Lilli vor dem Erfrieren errettete Katzendame, die inzwischen jedoch Meta zu ihrem Menschen erwählt hat. Beide, Meta und Lilli, beschäftigen sich mit Literatur, lieben sich innig und genießen ihr Dasein. Bis eine frühere Geliebte von Lilli wieder auftaucht und der Verlagslektor Friedrich Sägmüller eines Morgens vor Lillis Augen tot umfällt …

„Alles durchdrang sie.“

Hallo, es geht um Frauen, die Frauen lieben und sich mit Literatur befassen! Damit ist ein Platz im siebten Lesehimmel quasi erstmal garantiert. Ob es dann nachher zum schmerzvollen Absturz kommt oder nicht, bleibt natürlich abzuwarten, das Testergebnis ist etwas konfus, düsterer als erwartet, aber vielversprechend, ergo Betty Kurtzweils „Engelchen“ muss bald gelesen werden!

Rezension zu Atlantia von Ally CondieAtlantia von Ally Condie

Zwillinge.
Sie waren für ein gemeinsames Leben bestimmt.
Doch das Schicksal trennte sie.

Bay, du fehlst mir so sehr, flüsterte sie in die Muschel. Aus dem Inneren tönte ein rauschender Gesang und erinnerte an eine Zeit, als Wasser und Land noch zusammengehörten. Wo auch immer an der Landoberfläche ihre Schwester nun war, sie musste sie finden – auch wenn es niemandem erlaubt war, die Stadt unter der Glaskugel zu verlassen.

In einer Welt, die in Wasser- und Landbevölkerung aufgeteilt ist, werden die Zwillingsschwestern Rio und Bay durch einen Schicksalsschlag getrennt. Bay tritt ihre Reise zur Oberfläche an. Rio bleibt in Atlantia zurück. Um ihre Schwester wiederzusehen, muss sie herausfinden, warum Wasser und Land getrennt wurden und welche wunderbare und zugleich zerstörerische Gabe die Frauen der Familie verbindet.

„Ich habe sie Hunderte von Malen dabei beobachtet, hier in diesem Büro.“

Ally Condies Matched-Trilogie gehört zu diesen Serien, die ich anfangs toll und dann ganz schnell ganz langweilig fand. Aber irgendwie konnte ich trotz aller guten Vorsätze mich von dem Genre fernzuhalten dann doch nicht widerstehen und so ist „Atlantia“ auf dem Küchentisch meiner Eltern gelandet… Seite 69 ist nicht uninteressant, aber irgendwie schon wieder typisch YA, daher mittlere Priorität für diesen Roman.

Die verschwundene Chefredakteurin von Anna FriedrichHolly: Die verschwundene Chefredakteurin von Anna Friedrich

Holly ist die glamouröseste Frauenzeitschrift auf dem Markt. Holly sagt, was Mode ist, und bestimmt die Trends. Jeden Monat arbeiten viele Frauen (und ein paar Männer) an der nächsten Ausgabe des Magazins. Sie sind jung, alt, dick, dünn, It-Girls, Intellektuelle, Bitches und Muttis. Sie wollen Karriere machen, Kinder kriegen, aufregenden Sex, die Welt verbessern und neue Schuhe. Machtkämpfe und Intrigen stehen in der Redaktion auf der Tagesordnung – Journalisten befehden sich, Freundschaften werden geknüpft, und verbotene Affären könnten jeden Moment ans Licht kommen. Die Jobs bei Holly sind hart umkämpft und heiß begehrt. Dementsprechend nervös ist die junge Simone Pfeffer, die neu zu Holly stoßen soll, vor ihrem Treffen mit der Chefredakteurin Annika Stassen. Die fast 50-jährige Stassen, Grande Dame der Medienwelt, gilt als ausgesprochen kühl. Und wie befürchtet, ist sie nicht gerade begeistert von Simones ungewöhnlicher Rolle in der Redaktion. Doch dann passiert etwas Unbegreifliches: Annika Stassen verschwindet spurlos und bleibt unauffindbar. Was steckt dahinter? Ein Skandal? Ein Verbrechen? Von einem Tag auf den anderen ist Deutschlands größte Frauenzeitschrift führungslos. Und das Chaos bricht aus …

„Vieles sprach dafür, dass der letzte Anlass für ihren Suizid der Tod ihres Papageis war.“

Öhm ja, ich gebe zu, hoch sind meine Ansprüche an dieses Büchlein nicht und Seite 69 macht auch nicht den Eindruck, als könnte die Geschichte höheren Ansprüchen genügen. Ich tippe auf seichte Unterhaltung, bei der es vor allem auf den hoffentlich guten Humor ankommen wird und verschiebe das Buch mal auf die nächste längere Bahnfahrt oder dergleichen.

Die nachhaltige Pflege von Holzboeden von Will WilesDie nachhaltige Pflege von Holzböden von Will Wiles

Was passiert, wenn du die Wohnung deinem besten Freund überlässt …

Oskar ist Komponist und verheiratet mit einer kalifornischen Kunsthändlerin. Er lebt in einer osteuropäischen Hauptstadt mit seinen beiden Katzen, die er nach russischen Komponisten benannt hat. Aber hier geht es nicht wirklich um Oskar, denn der ist in Kalifornien, um sich scheiden zu lassen. Deshalb beauftragt er einen alten Studienkollegen, in seiner Abwesenheit auf die Wohnung aufzupassen, auf dass seinen Katzen und besonders dem kostbaren Parkett nichts passiert. Und damit auch nichts schief geht, hat er viele Hinweiszettel hinterlassen, was zu tun – und besonders: was zu lassen ist.

„Das Bad war gleich neben der Wohnungstür, wie üblich in kleinen Londoner Wohnungen, die aus viktorianischen Reihenhäusern herausgeschnitzt worden sind.“

Dieses Buch klingt einfach so herrlich schräg! Auf Seite 69 war nichts von den Hinweiszetteln oder ähnlichem zu lesen, aber einen schlechten Eindruck hat das Buch beim Test definitiv nicht gemacht, daher landet Will Wiles „Die nachhaltige Pflege von Holzböden“ prompt direkt hinter „Engelchen“ und damit ganz weit oben auf der Prioritätenliste.

Traumlieder 2 von George RR MartinTraumlieder II: Erzählungen von George R.R. Martin

Dass George R. R. Martin einer der erfolgreichsten Fantasy- Autoren aller Zeiten ist, steht außer Frage. Dass er noch viel mehr kann, beweist er in seinen beiden Erzählbänden Traumlieder, deren Vielseitigkeit Fantasy- und Science-Fiction-Fans jeder Generation begeistern wird: Das Porträt eines Mannes, der allmählich dem Wahnsinn verfällt, oder das unheimliche Schicksal eines Autors, dessen Selbstbezogenheit ihm zum Verhängnis wird, sind nur zwei der Geschichten dieser einzigartigen Storysammlungen. Ob Werwölfe, Magier, das ganz normale Grauen nebenan oder das Weltall: George R. R. Martin versteht es, seine Leser zu fesseln wie kein anderer. Die beiden Erzählbände vereinen erstmals die wichtigsten seiner vielfach ausgezeichneten Kurzgeschichten.

Als ich das Buch gerade in der Hand hatte, ist mir prompt aufgefallen, dass der Test hier irgendwie keinen Sinn macht, denn es handelt sich ja nicht um einen Roman sondern eine Sammlung von Erzählungen. Der erste Band hat mir übrigens ausgesprochen gut gefallen, daher werde ich mich „Traumlieder II“ auch ohne 69-Test wohl relativ bald widmen.

Die Feenjaegerin von Elizabeth MayDie Feenjägerin von Elizabeth May

Schön, talentiert und tödlich – Aileana Kameron hat nur ein Ziel: die Feen, die ihre Mutter getötet haben, zur Strecke zu bringen

Ballsaison im Edinburgh des Jahres 1844: Jeden Abend verschwindet die junge und bildschöne Aileana Kameron für ein paar Stunden vom Tanzparkett. Die bessere Gesellschaft zerreißt sich natürlich das Maul über sie, aber niemand ahnt, was die Tochter eines reichen Marquis während ihrer Abwesenheit wirklich tut: Nacht für Nacht jagt sie mithilfe des mysteriösen Kiaran die Kreaturen, die vor einem Jahr ihre Mutter getötet haben – die Feen. Doch deren Welt ist dunkel und tückisch, und schon bald gerät Aileana selbst in tödliche Gefahr …

„Wie soll ich ihm sagen, dass ich kaum etwas anderes empfinde als Wut?“

Viktorianisches Schottland mit bösen Feen <3 Leider frage ich mich nach der Lektüre von Seite 69 doch, ob die Geschichte nicht zu sehr ins romantisch-kitschige abdriftet und die phantastischen Teile der Geschichte darunter leiden werden. Trotzdem bin ich wirklich neugierig auf Elizabeth Mays „Die Feenjägerin“.

Rezension zu Das Erbe der Lady Eleanor von Hanna FriedrichDas Erbe der Lady Eleanor von Hanna Friedrich

England im Jahre 1215: Ausgerechnet am Tag ihrer Verlobung mit Lord Brian verliebt sich die schöne Lady Isabelle Hals über Kopf in Sir Ross, den erklärten Erzfeind ihres künftigen Gatten. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse: ein geheimnisvolles Amulett verschwindet, Lady Isabelle muss erkennen, dass ihr Verlobter ein machtgieriger Schurke ist, und sie findet heraus, dass es sich bei dem galanten Ritter Sir Ross in Wahrheit um Rose Caddington, Lord Brians verhasste Schwester, handelt. Obwohl Rose versucht, Isabelle auf Abstand zu halten, kommen sich die beiden immer näher. Doch zunächst müssen sie ein aufregendes Abenteuer bestehen, das sie zu den Amazonen auf die Insel Cyane in der Irischen See führt …

„Es wurde aus Lady Anns Schlafgemach entwendet.“

Und erneut ein Buch, bei dem Seite 69 denkbar nichtssagend ist… Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt auf „Das Erbe der Lady Eleanor“ und schmeiße es daher mal ins Mittelfeld zu „Die Feenjägerin“, „Wo steckst du Bernadette“ und „Atlantia“.

Rezension zu Fun Home Eine Familie von Gezeichneten von Alison BechdelFun Home von Alison Bechdel

Alison Bechdel, Autorin und Erzählerin von Fun Home, verstand in ihrer Jugend nie, warum ihr Vater, Bestattungsunternehmer und Englischlehrer an der örtlichen Highschool, offenbar seine Bücher mehr liebte als seine Familie. Sie leben in einem Haus aus dem Jahr 1867, stilvoll und detailversessen restauriert vom Vater. Als Alison 19 Jahre alt ist, kommt ihr Vater ums Leben. Selbstmord oder Unfall? Das wird sich nicht mehr klären lassen. Was aber ans Licht kommt, ist ein Geheimnis, das Vater und Tochter teilen: Beide sind sie homosexuell. Mit diesem Wissen nähert sich Alison in Fun Home ihrem Vater, den sie schon vor seinem Tod schmerzlich vermisste.In Kapiteln, die nach Klassikern der Weltliteratur benannt sind, umkreist Alison Bechdel die Zeit vor und nach dem Tod des Vaters. Dabei zieht sie alle Register: Sie bedient sich bei der griechischen Mythologie ebenso wie bei der Existenzphilosophie, bei Oscar Wilde, Marcel Proust und im Trivialmythenschatz der amerikanischen Kultur. Heraus kommt ein irrwitzig komisches, melancholisches und kluges Buch einer Tochter, die dem Vater in Wort und Bild die Liebe nachträgt.

„Wie meinem Vater gewiss aufgefallen war, hatte Fitzgerald beim Militär seinen ersten Roman geschrieben und um Zelda zu werben begonnen.“

Eine autobiographische Graphic Novel, klang irgendwie cool und ein erster Einblick in das Buch bestätigt diesen Eindruck, Alison Bechdels „Fun Home“ macht einen durch und durch interessanten Eindruck, da ich aber gerade erst „Persepolis“ gelesen habe und Graphic Novels auf Dauer etwas anstrengend finde, muss diese hier noch eine kleine Weile warten.

Fazit:

Als aller erstes wird jetzt „Love Letters to the Dead“ gelesen, dazu gibt es „Engelchen“ und „Die nachhaltige Pflege von Holzböden“, der Rest wird dann nach und nach abgearbeitet 😉

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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3 Kommentare zu “Der 69-Test zum Zweiten oder Von Liebesbriefen, Traumliedern, Holzböden und Co.”

    1. Naja, ich hatte ja dazu geschrieben, der Eindruck, den Seite 69 von „Love Letters to the Dead“ bei mir hinterlassen hat, war ziemlich neutral bzw. nichtssagend, aber das Buch war eh ein wenig außen vor, weil ich einfach sonst so neugierig darauf bin 😉 Und ich hab ja auch immer nur den ersten Satz zitiert, der spiegelt ja nicht unbedingt korrekt wieder, welchen Eindruck die ganze Seite hinterlassen hat. 🙂

      Für welches Buch hättest du dich denn entschieden?

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