Interview mit Sarah Monette alias Katherine Addison

Lang, lang ist es her, aber irgendwann einmal gab es hier regelmäßige Autoreninterviews. Das letzte ist vor fast zwei Jahren online gegangen, das erste der dreißig Interviews ist schon sage und schreibe viereinhalb Jahre her… Jetzt gibt es ein neues Interview und es wird nicht das einzige bleiben! Die großartige Sarah Monette, die ihr vermutlich eher unter ihrem Pseudonym Katherine Addison kennen werdet, Autorin des jüngst im TOR Verlag erschienenen Phantastik-Romans „Der Winterkaiser“, macht heute offiziell den Anfang. Folgen wird u.a. eine weitere TOR-Autorin, Becky Chambers, deren Debütroman „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ mit ebenfalls begeistern konnte. Aber jetzt erstmal zurück zum ersten neuen Interview:
 

Interview mit Sarah Monette alias Katherine Addison

Hallo Sarah, willkommen auf meinem Blog und danke, dass du dir die Zeit nimmst, um ein paar Fragen zu beantworten!

Zuerst (und ich bin mir sicher, dass du diese Frage schon eine Million Mal beantwortet habe, daher sorry dafür): Ich denke, deine deutschen Leser werden dich nur unter deinem Pseudonym, Katherine Addison, kennen. Bevor DER WINTERKAISER unter diesen Pseudonym veröffentlicht wurde, hattest du allerdings schon einige Titel unter deinem echten Namen, Sarah Monette, veröffentlicht. Warum also das Pseudonym?
2009 hat mein damaliger Verleger entschieden, dass meine Verkaufszahlen (für meine ersten vier Bücher, Mélusine, The Virtu, The Mirador und Corambis) so schlecht waren, dass sie kein Interesse daran hatten, meinen nächsten Roman zu veröffentlichen. Tor wollte mich gerne unter Vertrag nehmen, aber das Problem war, dass zu diesem Zeitpunkt der Buchverkauf für Verleger von Barnes & Noble und Borders nominiert wurde und vor allem von den Computern dieser großen Buchhändler. Wenn ein Verkaufsmitarbeiter zu den Käufern gegangen ist, war das erste, was die Käufer prüfen würden, der Name des Autors im Computersystem und mein Name war untrennbar mit diesen schlechten Zahlen verknüpft. Aber, so hat Tor mir das erklärt, wenn ich ein Pseudonym annehmen würde – selbst wenn jeder wusste, dass es ein Pseudonym ist und was mein echter Name ist – die Computer würden den Käufern nicht mehr sagen, dass es eine schlechte Idee wäre, meine Bücher zu kaufen. Es war also keine schwere Entscheidung: Ich habe ein Pseudonym angenommen.

Wenn du einen Tag in einem Buch deiner Wahl verbringen könntest, welches würde das sein?
„One Eyed Jack“ von Elizabeth Bear

Hast du ein Lieblingsmärchen oder -mythe oder Märchen-/Mythenadaption?
Robin McKinleys Märchennacherzählungen sind immer wunderschön und großartig. Ebenso, auf eine komplett andere Art, Angela Carter. Aber ich liebe Märchennacherzählungen generell. Ich liebe die Art, wie die simplen Handlungen von Märchen zu so vielen verschiedenen Geschichten werden können, abhängig davon, was der Autor daraus macht.

Welches Genre liest du am liebsten? Ist es das selbe Genre, in dem du am liebsten schreibst oder sind es unterschiedliche und falls ja, wieso?
Ich habe vor langer Zeit aufgehört Fiktion, jegliche Art von Fiktion, zu lesen. Ich hasse es, aber mich selbst dazu zu zwingen, Fiktion zu lesen, macht mich nur unglücklich und dass ist das genaue Gegenteil von dem, was Fiktion bewirken sollte. Ich lese Non-Fiktion, hauptsächlich True Crime, obwohl mein Lieblingsbuch, das ich immer und immer wieder lese – genau wie früher „Herr der Ringe“ und „Unten am Fluss“ und „Es“ und „Gaudy Night“ – Norman Macleans „Young Men and Fire“ ist, in dem es um einen schrecklichen Waldbrand in 1949.

Großartigster, schrägster und nervigster Moment bisher in deinem Leben als Autor?
Michael Chabon hat mir mal eine Mail geschrieben, um mir zu sagen, wie sehr er eine meiner Kurzgeschichten mochte. Und die Anzahl der Autoren, die ich bewundere, die mir erzählt haben, wie sehr sie „Der Winterkaiser“ lieben, ist wirklich großartig.
Generell, jedesmal, wenn mir jemand eine Mail schreibt, um mir zu sagen, dass ihnen eine meiner Geschichten durch eine schwierige Situation in ihrem Leben geholfen hat, das macht alles andere wett.

Liest du die Rezension zu deinen Büchern?
Teilweilse. Ich schaue mir nie die bei Amazon an. Nie.

rezension-zu-der-winterkaiser-von-katherine-addisonKannst du deinen Roman DER WINTERKAISER in drei Worten beschreiben?
Steampunk, Politik, Mitgefühl.

Wie fing „Der Winterkaiser“ an? Hattest du zuerst die Welt, den Plot (oder einen Part davon) oder einen Charakter im Kopf?
Ich wollte über Elfen und Luftschiffe schreiben und weil ich im Herzen meines Herzens eine Horrorautorin bin, dachte ich sofort an die Hindenburg. Alles andere folgte von dort.

„Der Winterkaiser“ hat seine eigene Fantasy-Sprache, die mich (leider) oft ziemlich verwirrt hat. Aber, abgesehen von meinen fehlenden Sprachkünsten, finde ich solche erfundenen Sprachen in Fantasyromanen immer sehr interessant. Wie hast du deine entwickelt? Basiert sie auf irgendeiner echten Sprache oder einem linguistischen System?
Ich habe sie auf realistischen linguistischen Prinzipien aufgebaut, sodass es in sich schlüssig ist. Aber nicht auf irgendeiner bestimmten Sprache. Ich habe einfach Elster gespielt und glänzende Dinge geklaut, um damit zu spielen.

Kannst du uns erzählen, an welchem Projekt du gerade arbeitest?
Aktuell arbeite ich – sehr, sehr langsam – an einem weiteren Roman in der Welt von „Der Winterkaiser“. Ich habe habe auch eine verrückte Sherlock Holmes Nachahmung mit gefallenen Engeln, Werwölfen, Vampiren, Höllenhunden, Ghouls und Jack the Ripper in einem Steampunk London, in dem es in der Mitte von Whitechapel einen riesigen Luftschiff-Andockturm gibt.

Und zu guter letzt: Tee oder Kaffee?
Tee. Oolong oder Darjeeling am liebsten.

Danke dir, Sarah, für dieses großartige Interview und dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, um meine Fragen zu beantworten. Weiterhin viel Erfolg mit dem Schreiben!

Für alle, die das Interview im Original nachlesen wollen, habe ich hier die PDF hochgeladen:
Interview with Sarah Monette alias Katherine Addison

Ich hoffe, euch hat das Interview gefallen und würde mich über Feedback freuen ☺ Und natürlich möchte ich euch nochmal ganz, ganz herzlich den Roman von Sarah alias Katherine ans Herz legen!

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Interview mit Sarah Monette alias Katherine Addison”

  1. Ich habe den Winterkaiser auch kürzlich rzensiert. Als ich mitten im Lesen war, habe ich erfahren, dass es sich beim Autorennamen um ein Pseudonym handelt. Und um welches: es stand schon eine Weile auf meiner Wunschliste, nicht zuletzt weil einige meiner englischen Lieblingsblogs es empfohlen hatten. Da habe ich das Buch gleich noch lieber gelesen. Danke für das Interview!

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